Wie der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Thomas Uslaub, sagte, wurden seit 1990 rund 172 Stiftungen errichtet, die meisten in den Städten Dresden und Leipzig. Im Regierungsbezirk Dresden seien es 71, in Leipzig 49 und in Chemnitz 41 gewesen. Dazu kommen elf Stiftungen, die unter der Aufsicht des Landes entstanden. Im Vergleich zu den alten Ländern liegt auch Sachsen noch weit hinten, merkte Sprecher Uslaub an. Allein in Bayern und Nordrhein-Westfalen gebe es jeweils mehr als 2000 Stiftungen.
Den Hauptgrund für diesen deutlichen Rückstand sieht Uslaub in der dünnen Kapitaldecke der Unternehmen und Bürger im Osten. Sachsen müsse sich seinen Ruf als Land der Stifter erst wieder erarbeiten, um wieder zu den führenden Ländern zu gehören. Um den Stiftungsgedanken wieder zu fördern, hat der Bundesverband Anfang des Jahres eine Initiative "Stiftungen in den östlichen Ländern Deutschlands" ins Leben gerufen. Neben der Errichtung neuer Stiftungen geht es dabei auch um die Wiederbelebung von Altstiftungen. Bekanntestes Beispiel für eine solche Reaktivierung ist nach Angaben von Uslaub die bereits seit 1991 wieder aktive Karl-May-Stiftung in Radebeul, die bereits 1913 gegründet worden war. Sachsens älteste bekannte Stiftung ist die Hospitalstiftung in Pirna. Sie wurde 1338 zur Unterstützung der älteren und kranken Bürger der Stadt gegr*am p*uuml;ndet. Die nach Ausgaben größte Stiftung in Sachsen ist mit 525 000 Euro die Stiftung zur Förderung der Semperoper in Dresden.
Auch der Deutsche Stifterpreis geht in diesem Jahr nach Sachsen. Der Bundesverband zeichnet damit die Bürgerstiftung Dresden für ihre Arbeit während der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr aus. In Sachsen-Anhalt haben nach Angaben des Innenministeriums von den weit mehr als 1000 Stiftungen, die es zur Mitte des vorigen Jahrhunderts gab, nur 72 zumeist kirchliche die DDR überlebt. Die meisten seien aufgelöst und das Stiftungsvermögen staatlichen Einrichtungen zugeführt worden.
Ab 1976 durften bis auf wenige Ausnahmen gar keine Stiftungen mehr errichtet werden. Eine der ältesten Stiftung in Sachsen-Anhalt ist den Angaben zufolge das 1315 errichtete Hospital zum Heiligen Kreuz in Zörbig. Laut Bundesverband ist auch eine der heute ältesten Stiftungen Deutschlands in Thüringen zu Hause. Die Stiftung des Hospitals "Zum heiligen Geist" in Heiligenstadt sei bereits um 1200 zur Altenhilfe gegründet worden. Die nach dem eingesetzten Vermögen größten Stiftungen in Thüringen finden sich laut Innenministerium in Jena. Die größte sei die dortige Ernst-Abbe-Stiftung, die wissenschaftlichen und sozialen Zwecke diene.

Hintergrund Stiften alte Tradition
 Das bürgerliche Stiftungswesen hat auch in Deutschland eine mehr als tausend Jahre alte Tradition. Seit dem frühesten Mittelalter ist das Stiften vor allem zugunsten sozialer Zwecke bekannt. Seinen Ursprung hat der Stiftungsgedanke in den mildtätigen Gaben meist städtischer Kaufleute, die oft nach ihrem Tod mit privatem Vermögen so erste Formen sozialer Sicherungssysteme schufen. Auch die nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen ältesten Einrichtungen dieser Art hatten und haben soziale Zwecke. Bereits um das Jahr 900 wurden etwa die Vereinigten Pfründnerhäuser in Münster gegründet oder um 950 die Hospitalstiftung Wemding.