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| 02:44 Uhr

Freispruch oder mehrjährige Haftstrafen für blutigen Überfall auf Rocker

Am Freitag wird das Urteil gegen Denny M., Markus W. und Andre S. (v.l.) verkündet.
Am Freitag wird das Urteil gegen Denny M., Markus W. und Andre S. (v.l.) verkündet. FOTO: mih1
Cottbus. Fünf Monate lang wurde gegen drei Cottbuser aus dem Türsteher- und Kickbox-Milieu verhandelt. Die Staatsanwaltschaft plädierte nun wegen versuchten Totschlags auf lange Haftstrafen, die Verteidiger forderten Freisprüche. Simone Wendler

"Wenn man sich allein auf Zeugenaussagen verlassen muss, hat man oft große Probleme." Mit diesem einleitenden Satz seines Schlussvortrages beschrieb Staatsanwalt Olaf Jurz ein Thema, das auch in den Plädoyers der Verteidiger viel Raum einnahm.

Denn in Details wie Kleidung und Frisuren wichen die Erinnerungen der Zeugen ab, die beobachten, was sich an einem Freitagnachmittag vor einem Jahr an einer Kreuzung in der Innenstadt von Cottbus abspielte.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Cottbus hatten sich dort etwa zehn Personen, zusammengetrommelt vom angeklagten Markus W., zusammengefunden, um sich an dem Hells Angel Jens P. zu rächen.

Der hatte vorher Markus W., einen Ex-Kickboxer und Neonazi, bedroht. W. und die beiden mitangeklagten Andre S. und Denny M. hätten dann, so die Überzeugung der Anklage, den Rocker verfolgt, zusammengeschlagen und mit mehreren Messerstichen um Haaresbreite getötet. Deshalb forderte die Staatsanwaltschaft für den mehrfach vorbestraften Andre S. siebeneinhalb Jahre Haft, für Denny M. und Markus W. jeweils sechseinhalb Jahre.

Neben Zeugenaussagen stützt sich die Anklage dabei vor allem auf DNA-Spuren von Andre S. und Denny M. auf einer Axt und einer Pistole sowie die Tatsache, dass deren Handys, wie auch das von Markus W., zur Tatzeit in der örtlichen Funkzelle registriert waren.

W., so Staatsanwalt Jurz sei zwar kein Messerstich persönlich nachzuweisen, doch er sei der Einzige, der ein Motiv gehabt habe, P. in eine Falle zu locken und auf ihn loszugehen. Dafür habe er "eine bewaffnete Übermacht" zusammengetrommelt.

Rechtsanwalt Christian Nordhausen forderte dagegen, seinen Mandanten Andre S. freizusprechen. Dem sei nicht nachzuweisen, dass er an der Tat beteiligt war. Kein Zeuge habe S. exakt so beschrieben, wie er am Tattag aussah. Auf die DNA-Spur seines Mandanten an der am Tatort gefundenen Pistole des niedergestochenen Rockers ging Nordhausen nicht ein.

Auch die Verteidiger von Danny M. sehen die Schuld ihres Mandanten nicht als erwiesen an. "Wenn sein Handy in der Funkzelle war, zeigt das nur, dass er in der Nähe war, mehr nicht", argumentierte Rechtsanwalt Olaf Klemke, der erst kurz vor Ende des Prozesses das Mandat übernahm. Er kritisierte besonders die Lichtbildsammlungen, die Zeugen bei der Polizei vorgelegt worden waren, um mögliche Täter zu identifizieren. Diese hätten in unzulässiger Weise seinen Mandanten benachteiligt.

Sein zweiter Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Sturm, verweist auch darauf, dass an der Lederjacke von Danny M. kein Blut zu finden war. Wenn er also überhaupt vor Ort gewesen sei, dann aber nicht an den Messerstichen beteiligt. Deshalb fordert auch er einen Freispruch oder höchstens eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung.

Von der Unschuld ihres Mandanten sind auch die beiden Verteidiger von Markus W. überzeugt und fordern, ihn freizusprechen. Dabei stützen sie sich besonders auf zwei erst kürzlich überraschend aufgetauchte Zeugen.

Einer hatte erzählt, er habe sich am Tattag mit W. getroffen und dessen Tasche mit Handy in die Innenstadt mitgenommen. Das würde das Auftauchen des Telefons in der Funkzelle erklären. Der andere hatte W. ein Alibi für die Tatzeit gegeben. Staatsanwalt Jurz bezeichnete diese Aussage als "glatt gelogen". Am Freitag wird das Urteil verkündet.