Das geplante, aber umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der Europäischen Union bietet aus Sicht der Brandenburger Wirtschaft neue Chancen. „Vor allem Mittelständler könnten davon profitieren“, sagte Jens Ullmann, Fachbereichsleiter für Außenwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Bislang schreckten Unternehmer angesichts der hohen bürokratischen Hürden davor zurück, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. „Für kleine Firmen ist das oft nicht zu leisten“, sagte Ullmann. „Entweder sie überwinden die Hindernisse oder sie lassen es ganz sein.“

TTIP (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) soll auf beiden Seiten des Atlantiks für mehr Wachstum sorgen. Es gibt aber auch Befürchtungen und Kritik - unter anderem, dass mit Chlor desinfizierte Hühnchen auch in Deutschland verkauft werden.

Gegen Freihandel sei prinzipiell auch nichts einzuwenden, sagte der europapolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag, Michael Jungclaus. Doch TTIP berge erhebliche Risiken für das Gemeinwesen und die Verbraucher in Europa. „Durch dieses Abkommen droht die Aufweichung europäischer Standards bei der Lebensmittelsicherheit, beim Verbraucherschutz und beim Umweltschutz“, kritisierte er.

IHK-Experte Ullmann sieht hingegen viele Vereinfachungen mit dem Abkommen. Bislang müssten beispielsweise in Europa erworbene Zulassungen noch einmal beantragt werden. „Vor allem Normen und Standards sind das Thema“, sagte er. Zudem unterschieden sich Zoll- und Sicherheitsvorgaben von denen in Europa. Es gehe aber auch um Maßeinheiten sowie technische Dokumente und Gebrauchsanweisungen. „Die einfache Übernahme einer bereits für den britischen Markt übersetzten Anleitung reicht nicht aus“, sagte er. Etwa 30 Prozent des Warenwertes machen nach seinen Angaben Kosten für diese Regularien aus.

Skepsis bei einigen Firmen sei meist auf mangelnde Kenntnisse und Erfahrungen zurückzuführen. „Jeder müsse für sich rechnen, ob sich die Einführung eines Produktes auf der anderen Seite des Atlantiks lohnt“, sagte er. Mit einem Volumen von knapp 1,8 Milliarden Euro sind die USA nach Polen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zweitwichtigstes Exportland für Brandenburg. Insgesamt wurden 2014 Waren im Wert von 13,2 Milliarden Euro ausgeführt.

Aus Sicht von Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) stärkt Internationalisierung den Wettbewerb. Märkische Firmen lieferten 2014 in die USA meist Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Aber auch Präzisionsbauteile wie Zahnräder, Labor- und Analysetechnik sowie Arzneimittel werden exportiert. Ins Land kommen im Gegenzug Waren im Wert von einer Milliarde Euro. 58 US-Investoren haben sich mittlerweile in Brandenburg niedergelassen, unter anderem im Biotechnikbereich.