Für Stephan Loge ist der Fall unfassbar. Er ist erbost, wenn er über den "verantwortungslosen Flüchtlingstourismus aus dem Freistaat" spricht. Erst jetzt wurde bekannt, dass die bayerische Polizei am Pfingstmontag einen polnischen Reisebus einfach durchgewinkt hat.

Dabei war es gerade der Münchner Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der vor einer Woche eine Verbalattacke gegen die Italiener ritt, weil sie Flüchtlinge, die die gefährliche Reise übers Mittelmeer überlebt haben, einfach nach Deutschland durchreisen ließen.

Was der kernige Bajuware den Italienern vorwarf, praktizierte er zeitgleich im weiß-blauen Freistaat offenbar selbst.

Die 20 Flüchtlinge aus Somalia landeten mit dem polnischen Schleuserbus aus Bayern kommend direkt im brandenburgischen Schönefeld.

In dem Bus saßen neben sechs jungen Männern mit gefälschten Reisedokumenten auch 13 minderjährige Jugendliche ohne Begleitung und eine Frau mit einem vier Monate alten Säugling.

Der Bus war in der Nacht davor gegen Mitternacht im bayrischen Freising von der Polizei kontrolliert worden. Die dortigen Beamten nahmen dabei zwei Polen fest, die mit Haftbefehl gesucht worden waren. Den Rest der "Reisegesellschaft" winkten die Polizisten durch.

Damit nicht genug: Später informierten die bayerischen Polizisten ihre Kollegen in Schönefeld, dass der Fahrer des Busses, der da gerade auf sie zurollt, keinen gültigen Führerschein hat. Das habe eine "nachträgliche Überprüfung" ergeben.

"Ich bin fassungslos über diese Verantwortungslosigkeit", schimpft Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge.