Von den 500 Aufsichtsräten in den Dax-Konzernen sind lediglich 78 weiblich. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) waren im Vorjahr nur 2,9 Prozent der Vorstandsposten von Banken und Sparkassen mit Frauen besetzt, in den Versicherungen sogar nur 2,5 Prozent. Und das, obwohl in diesen Branchen insgesamt mehr Frauen als Männer arbeiten. Andere Staaten sind da schon deutlich weiter:

Norwegen: Das skandinavische Land gilt als Musterbeispiel. Dort wurde bereits vor acht Jahren eine Quote eingeführt, wonach beide Geschlechter zu mindestens 40 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vertreten sein müssen. Die entsprechende Frauenquote wurde im Jahr 2009 erstmals erfüllt. Im Jahr 2002 lag sie noch bei sechs Prozent. Bei einer anhaltenden Weigerung, die Quote zu erreichen, droht Unternehmen die Zwangsliquidation.

Frankreich: Auch hier gibt es gesetzliche Regelungen. In Frankreich müssen binnen sechs Jahren die Aufsichts- und Verwaltungsräte, aber nicht die Vorstände, zu 40 Prozent aus Frauen bestehen. So sieht es ein Beschluss vom Januar dieses Jahres vor. Wird die Quote nicht eingehalten, ist die Bestellung solcher Gremien unwirksam.

Niederlande: Gesetzlich geregelt ist die Frauenquote auch hier. Vorgesehen ist, dass der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bis zum Jahr 2015 auf 30 Prozent steigen soll. Ab 2016 wird daraus eine Verpflichtung. Nach einer Untersuchung hatte die schon länger absehbare gesetzliche Regelung bereits zwischen 2006 und 2009 ihre Wirkung entfaltet: In dieser Zeit verdoppelte sich der Frauenanteil auf 15 Prozent. Direkte Sanktionen bei Verstößen sind allerdings nicht vorgesehen, nur eine Rechtfertigungspflicht.

Österreich: Hier soll die Frauenquote in Aufsichtsräten stufenweise bis zum Jahr 2018 auf dann 40 Prozent steigen. Auf freiwilliger Basis sollen es bis Ende 2013 mindestens 25 Prozent sein. Sanktionen sind nicht vorgesehen.

Nach der DIW-Studie liegt Deutschland mit seinem Frauenanteil in den höchsten Entscheidungsgremien börsennotierter Unternehmen auf Platz neun unter den 27 EU-Staaten. Spitzenreiter sind Finnland und Schweden, die ebenfalls über gesetzliche Quotenregelungen verfügen.

Die vergleichsweise gute Platzierung Deutschlands erklärt sich aus dem relativ hohen Anteil von Frauen (15 Prozent) in Aufsichtsräten. Dies geht auf die Mitbestimmungsregelungen zurück, welche einen von der Beschäftigtenzahl abhängigen Anteil an Arbeitnehmervertretern in Aufsichtsräten vorschreiben. Erfahrungsgemäß schicken die Gewerkschaften mehr Frauen dorthin als die Arbeitgeberseite.

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Zum ThemaDie 30 deutschen Dax-Unternehmen wollen den Anteil von Frauen in leitenden Positionen in den nächsten Jahren auf bis zu 35 Prozent steigern. Die Personalvorstände der Konzerne übergaben der Bundesregierung am Montag in Berlin eine Übersicht ihrer Selbstverpflichtung. Sie sprachen sich erneut gegen eine gesetzliche Regelung aus. Ihre Ziele seien realistisch und messbar, über die Fortschritte solle eine eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppe jährlich informieren. dpa/sm