Mädchen hätten sich den Namen von Rudolf Hess auf die Arme tätowieren lassen und ehemals "graue Mäuschen" wären plötzlich zu gewandten, rechten Rednerinnen geworden, berichteten die Lehrer der Forscherin. "Sie wussten aber nicht, wie sie mit dem Problem umgehen sollten", sagte Essen.

Nicht nur Kuchen verkaufen
Die Rolle von Frauen und jungen Mädchen in der rechten Szene wird nach Ansicht von Experten völlig unterschätzt. Sie verkauften nicht nur Kuchen am NPD-Wahlstand, sondern fungierten auch als Kader in rechten Organisationen und unterstützten Gewaltaktionen, erläuterte Diplompädagogin Renate Feldmann vom Forschungsnetzwerk "Frauen und Rechtsextremismus" auf einer Fachtagung in Dresden. Die Expertin Feldmann hat zu dem Thema auch gemeinsam mit ihrer Forscherkollegin Gabi Elverich ein Buch unter dem Titel "Braune Schwestern" geschrieben.
In der Landeszentrale für politische Bildung hatten Spezialisten über "Mädchen und junge Frauen im Spannungsfeld zwischen Demokratie und Ideologie" debattiert. Eingeladen hatten die Landesarbeitsgemeinschaft "Mädchen und junge Frauen in Sachsen" und die Bundesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik. Die Mädchen nutzen den Angaben zufolge ihren Ruf als unpolitische und friedfertige junge Frauen ganz gezielt zur Durchsetzung der eigenen Ziele.
Renate Feldmann sagte, junge Frauen hätten es einfacher, ihr rechtes Gedankengut zu verkaufen, weil sie als harmlos wahrgenommen würden. So bestehe die Gefahr, dass sich deren rassistische und menschenverachtende Ansichten leichter in dafür anfälligen Teilen der Gesellschaft durchsetzen könnten.
Der Forscherin zufolge sind Frauen und Mädchen zum Teil noch rassistischer und ausländerfeindlicher als Männer. Deshalb falle es vielen Mädchen leicht, sich trotz der frauenfeindlichen Programmatik und der Strukturen in vielen rechtsextremistischen Organisationen, mit deren Gedankengut anzufreunden.

50 Prozent Frauenanteil
Dabei kommen die rechtsgerichteten Frauen aus allen sozialen Schichten, erklärte Elverich. Insgesamt liegt der Frauenanteil im rechten Milieu bei rund 50 Prozent. So war auch die NPD bei der vergangenen Landtagswahl in Sachsen bei jungen Frauen bis 25 Jahren mit 11,1 Prozent die drittstärkste Partei.
Schließlich konzentrieren sich Projekte gegen rechts den Experten zufolge zu häufig auf Jungen. Deren Mitarbeiter wüssten kaum etwas über die Bedürfnisse junger Mädchen, sagte Essen. Deshalb soll es auf der Tagung auch um Strategien zum besseren Umgang mit rechtsorientierten Mädchen und Frauen gehen.