| 02:43 Uhr

Frau zieht für gleichen Lohn vor Verfassungsgericht

Stuttgart. Edeltraud Walla streitet mit ihrem Arbeitgeber, der Universität Stuttgart. Weil sie für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld bekommt als ihr männlicher Kollege, zieht die 58-jährige Schreinermeisterin vor das Bundesverfassungsgericht. dpa/kr

Sie ist Leiterin der Modellbauwerkstatt an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung. "Die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern ist eine große Ungerechtigkeit", sagt sie. Die Politik diskutiere zwar über das Thema, aber: "Ich würde mir wünschen, dass man das auch lebt."

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 22 Prozent weniger als Männer. Es spreche viel dafür, dass Frau Walla kein Einzelfall sei, wenn auch vermutlich bei einer Lohndifferenz von mehr als 40 Prozent ein besonders extremer, erklärt eine Gewerkschaftssprecherin.

Ihr Fall sei besonders für die Beschäftigten im Landesdienst von hoher Relevanz. Walla bekam eher durch Zufall mit, dass sie am Monatsende weniger auf dem Konto hatte als ihr Kollege. Denn: Als es um die Zusammenlegung von Werkstätten ging, wurde die Bezahlung aller Leiter in einer Tischvorlage aufgeführt.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) plant derzeit ein Gesetz zur Lohngleichheit von Männern und Frauen, das noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll. Die Universität sieht bei Walla "keine geschlechtsbedingte Entgeltdiskriminierung", wie ein Sprecher erklärt. Die im Vergleich zu ihrem männlichen Kollegen unterschiedliche Vergütung habe historische Gründe, die sich vor allem aus der früheren Tätigkeit des Werkstattleiters ergeben hätten. Für Walla ist das nicht nachvollziehbar. Sie sei Meisterin und ihr Kollege, der inzwischen im Vorruhestand ist, Geselle.

Die 58-Jährige klagte 2012 zunächst vor dem Arbeitsgericht Stuttgart auf gleiche Bezahlung. Dort scheiterte sie wie auch in den weiteren Instanzen. Schließlich reichte sie im Mai 2014 Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe ein. Darüber ist noch nicht entschieden.