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Frau Irving kämpft gegen das Loch

Wehrt sich fast 30 Jahren gegen die Kohle: Gisela Irving.
Wehrt sich fast 30 Jahren gegen die Kohle: Gisela Irving. FOTO: dpa
Erkelenz. Garzweiler II ist für Gisela Irving nicht der Braunkoh letagebau. Irving spricht nur vom "Loch". dpa/sm

Man könnte Verachtung aus ihrem Tonfall hören. Im November wird die Frau 80. Seit fast 30 Jahren ist sie im Widerstand gegen Garzweiler II aktiv.

Sie hat an zahlreichen Aktionen teilgenommen: Proteste, Flugblätter, Versammlungen, Gespräche - das ganze Programm. Aber eine so lange Menschenkette wie am Samstag hat sie in der Region noch nicht gesehen. "Ich bin so berührt, wie viele gekommen sind", sagt sie.

Tausende demonstrieren am rheinischen Tagebau Garzweiler am Samstag für Klimaschutz und den Kohle-Ausstieg. Das Signal lautet: Bis hier hin und nicht weiter! Da wo Irving mit vielen anderen Menschen steht, sollen die Braunkohlebagger stoppen, damit die deutschen Klimaziele erreicht werden. Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke sei da ein erster Schritt, sagen sie.

Gisela Irving hat sich immer gewehrt, auch im Kleinen. Als NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft 2014 im WDR-Fernsehen von der "tollen Heimat" schwärmte, wurde Irving sauer: "Uns wird die Heimat unter dem Hintern weggebaggert und sie erzählt, wie toll die Heimat ist", dachte sie sich und schrieb Kraft einen persönlichen Brief. Monate danach die Entscheidung der NRW-Landesregierung: Garzweiler wird kleiner, Irvings Heimatort Holzweiler bleibt verschont.

Irving war in den Widerstand gegangen, da war sie längst verheiratet mit ihrem Mann aus Schottland und hatte zwei Kinder. Bei einer Bürgerversammlung 1987 erfuhr sie, dass sie später mal von dem schönen Fleckchen weg müssten aus Holzweiler, wegen der Braunkohle. Es drohte die Umsiedlung. Für sie ist es ein "Verbrechen", das Land zu zerstören - die wertvollen Böden, die Dörfer, die uralten Höfe.

Holzweiler bleibt verschont. Manchmal, wenn sie mit ihrem Hund Tobi draußen ist, hört sie die Bagger aus dem Tagebau. Sie rücken näher und mit ihnen der Lärm, der Dreck, das Licht in der Nacht. "Wir müssen das aushalten. Das Aushalten-Müssen wird sehr schwer sein."