Neben Franzosen schicken auch Deutsche ihre Kinder in die Gruppe, um das Sprachrepertoire des Nachwuchses zu fördern.
Überfordert seien die Kleinen mit mehreren Sprachen keineswegs, sagen Experten - warnen zugleich aber vor zu viel elterlichem Ehrgeiz. Im späteren Berufsleben wird die Kenntnis mehrerer Fremdsprachen inzwischen eher zur Pflicht denn zur Kür.
"Englisch ist schon fast Pflichtprogramm", sagt die bildungspolitische Sprecherin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin, Berit Heinz. Berufstätige könnten inzwischen davon ausgehen, irgendwann auch einmal im Ausland zu arbeiten. Die grenzüberschreitenden Kontakte vieler Firmen hätten zugenommen, andere hätten Filialen im Ausland. "Selbst bei einfachen Berufen ist es keine Seltenheit mehr, dass man eine Sprache braucht."

Russisch-Kenntnisse gefragt
In qualifizierten Berufen seien zwei Fremdsprachen empfehlenswert. Neben Englisch und den Weltsprachen Spanisch, Französisch und Portugiesisch seien Sprachen aus dem osteuropä ischen und asiatischen Raum gefragt.
Zunehmend spielen auch Türkisch-Kenntnisse eine Rolle - und zwar für die Verständigung in Deutschland selbst. "Wir haben türkische Firmen, die bevorzugen als Auszubildende ihre Landsleute wegen der Zweisprachigkeit", sagt der Sprecher der Agentur für Arbeit in Hannover, Oliver Meißner. Auch Polnisch und Russisch seien am Arbeitsmarkt für Tätigkeiten gefragt, bei denen die Kommunikation mit Zuwanderern aus diesen Ländern eine Rolle spiele. "Kleine Kinder sind mit mehreren Sprachen nicht überfordert", sagt Rosemarie Tracy von der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaften (DGfS) in Mannheim. Eine Altersschwelle vor dem Erlernen einer zweiten Sprache müsse nicht abgewartet werden. "Es gibt Kinder, die von Anfang an mit zwei Sprachen aufwachsen."

Sprachunterricht fortsetzen
Beim Erlernen einer Fremdsprache sei es allerdings wichtig, dass die Muttersprache nicht vernachlässigt werde. Frühkindlicher Sprachunterricht habe nur Sinn, wenn er in der Grundschule eine Fortsetzung finde. "Sonst wird man feststellen, dass innerhalb kurzer Zeit von dem Erlernten nichts mehr aktivierbar ist." Eltern sollten ihre Kleinen daher nicht bloß zum Sprachenlernen verdonnern, um ihnen etwas Außergewöhnliches zu bieten. "Man sollte da die Kirche im Dorf lassen."
Als Franzosen und Deutsche vor zehn Jahren in Hannover den Verein "Die kleinen Gallier" gründeten, hatten sie die Berufschancen ihrer Kinder noch nicht im Blick. Vielmehr sollte - gerade für den Nachwuchs gemischter Paare - eine bilinguale Erziehung geschaffen werden. Diese reicht inzwischen von Krabbelgruppe und Kindergarten über eine bilinguale Grundschule bis hin zu einem zweisprachigen Gymnasialzweig.
Die Landeshauptstadt fördert das Angebot auch wegen ihrer langjährigen Bande mit Frankreich. 1960 besiegelte Hannover eine Partnerschaft mit dem südfranzösischen Perpignon, 1966 gefolgt von einem Städtebündnis mit Rouen in der Normandie.