Doch bei aller nötigen Diplomatie: Politisch wirkte der Besuch des Papstes zuweilen etwas weichgespült. Der Papst lobte die türkische Flüchtlingspolitik, betonte die Religionsfreiheit und rief zu einem entschiedenen Vorgehen gegen Fanatismus und Fundamentalismus auf. Das war zu erwarten. Und dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor Islamophobie warnt, und zugleich betont, wieviel die Türkei in den letzten Jahren für die Minderheiten im eigenen Land unternommen habe, überraschte ebenfalls nicht. Immerhin glaubt Erdogan auch daran, dass die Muslime Amerika entdeckt haben. Dass solche Sonntagsreden konkrete Ergebnisse, etwa die Wiederöffnung des seit 1971 geschlossenen, orthodoxen Priesterseminars von Chalki mit sich bringen, hoffen wohl nur Optimisten.

Und dennoch: Die Reise von Franziskus an den Bosporus war ein wichtiges Signal. Wer ein friedliches Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Kulturen will, muss dialogbereit sein. Er muss bereit sein, von sich aus auf sein Gegenüber zuzugehen, wie beim Gebet in der Moschee. Er muss Diplomatie betreiben, selbst wenn es auf Anhieb keine konkreten Ergebnisse gibt. Denn nicht nur die Lage in Syrien und dem Irak schreit nach einem besseren Verhältnis von Christen und Muslimen. Überall in der Welt sind an dieser Stelle Fortschritte nötig. Weswegen man auch in Deutschland vom Auftreten des Papstes in Istanbul eigentlich nur lernen kann.