Die Kirche macht ihre Türen auf, im Zeichen der Barmherzigkeit. Und das 50 Jahre nach dem Konzil, das das "aggiornamento", also die Erneuerung zum Programm hatte. Franziskus will wieder einmal frischen Wind in die katholische Kirche bringen, in spirituellem Sinne.

Es ist auch kein Zufall, dass der Papst das Heilige Jahr, das normalerweise nur alle 25 Jahre stattfindet, am vergangenen Freitag bei einem Bußgottesdienst am zweiten Jahrestag seiner Wahl ankündigte. Das Schlagwort der Barmherzigkeit, im Sinne einer vergebenden, mit offenen Armen auf die Gläubigen zugehenden Kirche, hat Franziskus zum Programm seiner Amtszeit gemacht. Schon wird in Rom debattiert, ob das kommende Heilige Jahr nun eine sinnvolle Maßnahme zur Öffnung der Kirche oder in erster Linie eine zweifelhafte Marketingerfindung eines Medienpapstes ist.

Dass die immer wieder am Bankrott vorbei schrammende Stadt Rom mit dem Ereignis vor einer Herausforderung steht, ist eindeutig. Erinnert wird an das letzte ordentliche Heilige Jahr, das Johannes Paul II. im Jahr 2000 feierte und zu dem 25 Millionen Pilger in die Stadt kamen. Die Rede ist im Moment von rund einer Milliarde Euro Investitionen, die die Stadt und die italienische Regierung tätigen werden. Mit einem Ansturm aus aller Welt wird gerechnet, da Katholiken während eines Heiligen Jahres aufgerufen sind, nach Rom zu pilgern und in den vier päpstlichen Basiliken Gottesdienst zu feiern.

Wie der Vatikan mitteilte, ist die Initiative auch mit der "außerordentlichen Öffnung der Kirchen" in aller Welt verbunden, "um das Sakrament der Versöhnung zu feiern". Zuständig für die Durchführung des Heiligen Jahres ist der päpstliche Rat für die Neuevangelisierung unter Erzbischof Rino Fisichella. Der Rat war kürzlich in den Schlagzeilen, weil der ehemalige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hier eine neuen Posten als Delegat antritt. Das "Jubiläum der Barmherzigkeit" dauert bis zum 20. November 2016.

Wie lange das Pontifikat des 78-jährigen Jorge Mario Bergoglio dauern wird, darüber gibt es nun neue Spekulationen nach einem Interview, das Franziskus dem mexikanischen Fernsehsender Televisa gegeben hat. "Ich habe das Gefühl, dass mein Pontifikat kurz sein wird", sagte der Papst, "vier oder fünf Jahre". Allerdings handelte es sich dabei nur um ein "vages Gefühl". Auf die Frage, ob er wie sein Vorgänger Benedikt XVI. einen Rücktritt ins Auge fasst, antwortete Franziskus ausweichend. Eine Altersgrenze wie für Diözesanbischöfe schloss Franziskus allerdings aus.