Fünf Jahre sind kein Alter für eine Partei. Doch die französischen Grünen Europe Ecologie Les Verts (EELV) haben ihre besten Zeiten bereits hinter sich. Die waren sogar noch vor der Parteigründung, als die Umweltschützer 2009 unter Führung des charismatischen Europapolitikers Daniel Cohn-Bendit 16,3 Prozent der Stimmen bei den Europawahlen gewannen. Cohn-Bendit war auch der Erste, der sich 2012 von EELV lossagte und damit den Niedergang einleitete. Zu groß waren die Meinungsverschiedenheiten mit dem linken Parteiflügel. "Ich dachte, wir würden etwas Neues machen. Aber wir haben nur Altes mit Neuem gemacht", begründete "der rote Dany" damals die Suspendierung seiner Parteimitgliedschaft.

Diese Woche folgten zwei prominente Mitglieder dem 70-Jährigen: der Ko-Fraktionschef in der Nationalversammlung, François de Rugy, und der Fraktionschef im Senat, Vincent Placé, verließen ebenfalls die Partei. EELV sei ein "toter Stern", sagte Placé am Freitag im Radio. Der Senator kritisierte den "linken Irrweg", den die Parteiführung eingeschlagen habe.

Flügelkämpfe wie früher bei deutschen Grünen

"Die Umweltschützer haben zwei Optionen: die Wende nach links oder die Sozialdemokratie. Zwischen den beiden zerreißen sie sich momentan", führt der Parteienexperte Daniel Boy in der Zeitung "Le Monde" aus. Die Flügelkämpfe erinnern an grüne Fundis und Realos in den 80er Jahren, auch wenn die französischen Grünen nie so viel Einfluss hatten wie ihre deutsche Schwesterpartei.

In der sozialistischen Regierung von François Hollande war EELV knapp zwei Jahre lang als Juniorpartner vertreten. Doch die Koalition zerbrach im Frühjahr 2014, als Manuel Valls Regierungschef wurde. "Zu rechts" sei der neue Premier, befanden die beiden Minister Cecile Duflot und Pascal Canfin und verließen die Regierung. Unter dem Einfluss von Duflot vollzog die Partei danach einen Linksschwenk.

Bei den Regionalwahlen im Dezember plant EELV in mindestens vier der 13 Regionen gemeinsame Kandidaten mit der Linkspartei. Eine Entscheidung, die die Sozialisten schwächen und so in manchen Regionen den rechtspopulistischen Front National an die Macht bringen könnte. Der Einfluss der Öko-Partei, die in Grenoble als erster großer Kommune Frankreichs auch den Bürgermeister stellt, ist in einigen Regionen groß. Bei den Regionalwahlen 2010 kam EELV in der ersten Runde immerhin landesweit auf 12,2 Prozent.

De Rugy und Placé wollen nun mit einer neuen ökologischen Reformbewegung wieder mit den Sozialisten zusammenarbeiten. Die Annäherung erfolgt allerdings nicht ohne Hintergedanken, denn den beiden werden Ambitionen auf ein Ministeramt nachgesagt. "Die beiden wollen nur einen Klappsitz in der Regierung ergattern", kommentierte Cohn-Bendit im Radiosender Europe1 die Entscheidung.