Steuermann Dominique de Villepin will trotz der riesigen Protestwellen den Kurs nicht ändern. Er riskiert so oder so den politischen Schiffbruch. Kapitän Jacques Chirac bleibt wortkarg, hängt doch auch sein Schicksal angesichts des anschwellenden Sturms an dem seines Vertrauten. Während nationale Studentenverbände schon zum Generalstreik aufrufen und Gewerkschaften beraten, wann sie die Daumenschraube so weit anziehen, schließt Premierminister Villepin es aus, seine umstrittene Arbeitsrechtsreform zurückzuziehen. Denn wenn er das täte, müsste er wohl auch seinen Hut nehmen. So stark hat der Regierungschef sich engagiert.
"Unregierbares Frankreich", so heißt nicht erst jetzt das, was die Nation an tiefen sozialen Krisen, an völlig verhärteten Fronten und an Massenprotesten seit Jahrzehnten schon dutzendfach durchlebt hat. Manch ein Minister musste gehen, Regierungschefs blieben angeschlagen zurück. Das konservative Meinungsflaggschiff "Le Figaro" malt darum bereits diese Katastrophe für die gesamte Rechte an die Wand: "Alle Regierungen, die früher dem Druck der Straße nachgegeben haben, wurden bei den nächsten Wahlen abgestraft." Die Franzosen bestimmen im Frühjahr 2007 Präsidenten und Parlament neu.

Hoffen auf Verfassungsrat
"Villepin, ergib' dich!", oder in großen Lettern: "Die Krise". Das Rauschen im Pariser Blätterwald gestern spiegelt wider, was bereits oft "die französische Malaise" ausmachte. Im Juni 1984 demonstrierten 1,5 Millionen in Paris gegen ein linkes Privatschulgesetz. Folge: Präsident François Mitterrand nimmt den Text zurück und der für die Reform Verantwortliche den Hut - so wie Monate später dann der ausgelaugte Premier Pierre Mauroy.
Ein Jahrzehnt und einige sozialen Krisen danach sind dann die Konservativen wegen eines Privatschulgesetzes unter gewaltigem Druck. Da der angerufene Verfassungsrat das Gesetz aushebelt, bleibt Premierminister Edouard Balladur die Schmach erspart, es eigenhändig einstampfen zu müssen. Das ist ein Weg, der auch diesmal zumindest etwas aus der Klemme helfen könnte - denn die Sozialisten haben die umstrittene Reform Villepins dem Gremium zur Überprüfung vorgelegt.
Das starke Wort vom Ultimatum an Chirac ist nahe liegend, wollen Schüler, Studenten und Gewerkschafter doch die Gunst der Stunde nutzen. Unterdessen keimt an Villepins Amtssitz Matignon und in Chiracs Elysée-Palast vielleicht noch immer die Hoffnung, die Demo-Front werde abbröckeln. Ein halbes Dutzend "nationaler Mobilisierungstage" reichten 2003 nicht aus, die Regierung von Jean-Pierre Raffarin dazu zu zwingen, ihre Rentenreform wieder einzupacken. Die Rechte verlor danach allerdings drei Wahlen.