Mit Deutschlands östlichster Spielbank will die Stadtverwaltung gutbetuchte Gäste an die Oder locken. Die lassen nicht nur Geld bei Poker oder Black-Jack, sondern füllen mit den gesetzlich vorgeschriebenen Glücksspiel-Abgaben in Höhe von 15 Prozent der Kasino-Bruttoerträge auch das klamme Stadtsäckel, so die Überlegungen im Rathaus.
Ein neuer Investor, über den man sich an der Oder noch in Schweigen hüllt, hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht und das alte, leer stehende Frankfurter Lichtspieltheater der Jugend im Stadtzentrum von der UFA-Filmgesellschaft gekauft. Nach dem Umbau für mehrere Millionen Euro will der Geldgeber die aus den 50er-Jahren stammende Immobilie an einschlägig erfahrene Betreiber vermieten.

Privates Risiko
Mit der Umsetzung der Kasino-Pläne will die Stadt neue Wege gehen: Während in Potsdam und Cottbus öffentlich-rechtliche Betreiber eingesetzt wurden, sollen bei der Frankfurter Spielbank-Ausgabe private Gesellschafter das Risiko tragen. "Es handelt sich um ernst zu nehmende Interessenten", betont Frankfurts Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU). Nicht etwa "einarmige Banditen" sollen in Frankfurt zum Glücksspiel locken, sondern einsatzintensive Spiel-Tische, an denen der Gast nur in Smoking oder Abendkleid sowie mit einem gewissen Mindesteinsatz von Jetons Platz nehmen darf. Der Oberbürgermeister ist sich im klaren, dass es keineswegs die Frankfurter selbst in das künftige Nobelkasino ziehen dürfte. "Für die Stadt ist die Spielbank eine wirtschaftsfördernde Maßnahme und kein Unterhaltungsort", stellt er nüchtern fest.
Positiver Nebeneffekt: Der heruntergekommene Schandfleck des leer stehenden Kino-Gebäudes in der Frankfurter City verschwindet. Patzelt macht sich keine Sorgen, ob es tatsächlich gelingt, zahlungskräftige Gäste an die Oder zu locken. Schließlich seien die künftigen Kasino-Betreiber "vom Fach", hätten sich ihre Geschäftschancen "durchgerechnet".

Abgeordnete sind vorsichtig
Bevor jedoch die Würfel endgültig fallen, müssen die Frankfurter Stadtverordneten entscheiden. Auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche sollen sie eine Mehrheit für die Gründung einer kommunalen GmbH finden, die den Glücksspielantrag auf Konzessionserteilung beim Potsdamer Innenministerium stellt.
Doch die Abgeordneten sind vorsichtig geworden. Weit gediehen war das Spielbank-Projekt inklusive Vorhaben- und Erschließungsplan schon einmal. In einem alten Gasometer am Oderufer sollten ab dem Jahr 2001 auf drei Ebenen die Black-Jack-Karten gemischt und die Roulette-Kugeln ins Rollen gebracht werden. Im letzten Moment warf der damalige Investor jedoch das Handtuch. Die zu Tage geförderten Altlasten wurden ihm schlichtweg zu teuer. Auch am alten Lichtspieltheater hatte sich vor Jahren bereits ein neuer Investor versucht, der dort eine Großdisko eröffnen wollte. Doch auch hier scheiterten die Pläne am Geld.
Zudem: Wenn der Rubel in Frankfurt rollen soll, muss sich das künftige Kasino gegen Konkurrenz vom östlichen Oderufer durchsetzen. Im polnischen Slubice lockt bereits ein ähnliches Etablissement an die Spieltische.