Das Fragment sei eines der frühesten handschriftlichen Nachweise niedersorbischer Sprachkultur. Nieder- und Obersorbisch sei erst seit dem 16. Jahrhundert belegt. Luther (1483-1546) habe den kleinen Katechismus 1529 geschrieben, sagte Werner. Die nun entdeckten Zeilen des anonymen Verfassers könnten nur wenig jünger sein. Zum kleinen Katechismus des Reformators Luther gehören neben den Zehn Geboten das Glaubensbekenntnis, der Glaube, das Vaterunser, das Sakrament der heiligen Taufe sowie das Sakrament des Altars oder das Heilige Abendmahl. Auf die bedeutenden Papierschnipsel aufmerksam wurde die Frankfurter Handschriftenrestauratorin Barbara Hassel, als sie Briefbände von Eber auseinandernahm. Die Fragmente waren einst zum Einbinden der 1000 Briefe und Texte aus dem Nachlass des Reformators in Büchern verwendet worden.

"Da sie auf Niedersorbisch geschrieben waren und somit wohl nicht verstanden wurden, dachte man wohl, sie seien nicht so wichtig", sagte Werner. Einem Puzzle gleich hat Hassel die Fragmentstreifen dann nach Schrift, Konturen und Wasserzeichen zusammengesetzt.