Warum nehmen wir überhaupt Flüchtlinge auf?
Weil nach dem Grundgesetz (Artikel 16a) jeder politisch Verfolgte das Recht auf Asyl in Deutschland besitzt.

Deutschland braucht keine Zuwanderer.
Stimmt nicht. Die demographische Entwicklung zeigt, dass die Bevölkerung in Deutschland überaltert und durch den Geburtenrückgang zunehmend mehr Menschen fehlen. Somit gibt es weniger Arbeitskräfte in Deutschland, die in unser Sozialsystem einzahlen. Durch die Zuwanderung kann dieser Trend abgeschwächt und auch unbesetzte Lehrstellen vergeben werden.

Die Flüchtlinge bekommen alles bezahlt.
Nein. Flüchtlinge leben während ihrer ersten Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Dort wird ihnen der Grundbedarf in Form von Verpflegung und Sachleistungen wie Kleidung gestellt. Zusätzlich bekommen die Flüchtlinge monatlich ein "Taschengeld". Für eine volljährige Einzelperson sind das 143 Euro im Monat. Mit diesem Geld bezahlen die Asylbewerber laut Gesetzeswortlaut "Bedürfnisse des täglichen Lebens" - beispielsweise Fahrkarten für die Bahn. Verlassen Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtung, haben sie Anspruch auf Leistungen im Wert von maximal 359 Euro im Monat.

Asylbewerber sind im Café Lauterbach (Cottbus) eingekehrt und wollten gehen ohne zu bezahlen. Eine Kellnerin hielt die Ausländer auf bis ihr Chef kam, der die Polizei alarmierte. Carsten Hajek, der Inhaber des Café Lauterbach, weiß nichts von dem geschilderten Zwischenfall, in den er selbst involviert gewesen sein soll. "Das ist eine bösartige Unterstellung. Einen solchen Fall von Zechprellerei hat es nicht gegeben."

Flüchtlinge haben sich in einem Cottbuser Einkaufsmarkt den Wagen voll geladen und an der Kasse gesagt: Die Rechnung zahlt die Stadt Cottbus. Andrea Kübler, die Unternehmenssprecherin von Kaufland stellt klar: "Das ist absoluter Quatsch!"

Die Flüchtlinge bekommen mehr Geld als Hartz-IV-Empfänger.
Nein. Flüchtlinge erhalten Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Leben sie in einem Asylbewerberheim und nicht in einer Erstaufnahme, beläuft sich die Zuwendung für einen alleinstehenden Erwachsenen auf 359 Euro pro Monat. Diese Summe setzt sich zusammen aus 216 Euro für den notwendigen Grundbedarf plus die 143 Euro Taschengeld.
Sämtliche Sätze liegen unter denen von Hartz-IV-Empfängern. Ein Arbeitssuchender erhält nach Arbeitslosengeld-II (Hartz IV) aktuell 399 Euro.

Die Flüchtlinge leben komfortabel wie in Ferienwohnungen.
Im Land Brandenburg stehen einem Flüchtling laut Gesetz sechs Quadratmeter Wohnfläche in einer Gemeinschaftsunterkunft zu. Zum Vergleich: Das entspricht den Tierschutz-Vorgaben für einen Hunde-Zwinger. Cottbus bietet seinen Flüchtlingen acht Quadratmeter pro Person. Die Zimmer sind einfach ausgestattet mit Bett, Tisch, Stuhl, Schrank. Mehrere Leute teilen sich einen Raum. Bad und Küche werden ebenfalls gemeinschaftlich genutzt.

In Guben gibt es Gerüchte, dass die Gubener Wohnungsgesellschaft Mietern kündigt, um die Wohnung an Flüchtlinge zu vermieten. Stimmt das?
Nein, entkräftet Peter Wiepke, Geschäftsführer der Gubener Wohnungsgesellschaft Guwo das Gerücht. "Es gibt einen grundlegenden Schutz der Mieter. Wir dürfen unseren Mieter nicht einfach grundlos kündigen", erklärt Wiepke. Mieter sind in Deutschland durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) geschützt.

Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeit weg.
Während der ersten drei Monate gilt für alle Flüchtlinge ein generelles Arbeitsverbot - sie sind zum Nichtstun verdammt. Danach dürfen sie nur arbeiten, falls es für die entsprechende Stelle keinen geeigneten EU- oder deutschen Bewerber gibt (Vorrangprüfung). Diese Einschränkung des nachrangigen Arbeitsmarktzugangs fällt erst 15 Monate nach Ankunft weg. Danach steht einem Flüchtling der Arbeitsmarkt offen.
Ohne Aufenthaltsrecht darf in Deutschland allerdings niemand arbeiten.

Wer ein teures Handy besitzt, dem kann es nicht schlecht gehen.
Auf diesen Satz entgegnet der Cottbuser Integrationsbeauftragte Jan Schurmann nur: "Stellen Sie sich vor: Sie sind fern der Heimat, in einem Land, dessen Sprache Sie noch nicht beherrschen, und von Ihrer Familie getrennt. Da wird Kommunikation mit den Angehörigen oder Freunden zum einzigen Halt und überlebenswichtig."
Zusätzlich dient das Handy zur Orientierung und ermöglicht durch Übersetzungsprogramme die Kommunikation.

Hier kommen doch fast nur junge Männer ohne Familie.
Das stimmt. Etwa zwei Drittel der Flüchtlinge die in Deutschland einen Asylantrag stellen sind laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) männlich, mehr als 70 Prozent von ihnen sind außerdem unter 30. Ihre Familien mussten die meisten Männer in ihren Herkunftsländern zurücklassen, weil sie sich eine gemeinsame Flucht nicht leisten konnten. Allerdings wollen die Väter ihre Frauen und Kinder per Familiennachzug nach Deutschland holen. Letzteres ist aber eher ungewiss, da eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung Vorrausetzung für den Familiennachzug ist.

Deutschland nimmt viel mehr Flüchtlinge auf als andere.
Das stimmt. Nach Ungarn, Schweden und Österreich nimmt Deutschland die meisten Flüchtlinge auf. Aber im Verhältnis zur Bevölkerungszahl liegt Ungarn an erster Stelle.

Die Stadt Cottbus zahlt für die Flüchtlinge drauf.
Das stimmt. "Die Kommunen werden allein gelassen. Der Bund muss nachsteuern", fordert Schurmann. Die Stadt Cottbus hat demnach im Jahr 2013 insgesamt 1,3 Millionen Euro ausgegeben, aber nur 1,1 Millionen Euro erstattet bekommen. Vom Land Brandenburg erhält die Stadt eine Pauschale von 9100 Euro pro Flüchtling und Jahr.

Flüchtlingskinder werden bevorzugt.
Mit einem klaren Nein beantwortete Gerald Lehmann die Frage einer jungen Frau, ob einheimische Familien zugunsten von Flüchtlingskindern auf Kita-Plätze in Luckau verzichten müssten. Es gebe genügend Plätze. Wohl müsse die Belegung "etwas gesteuert" werden. "Wenn es aber Luckauern zumutbar ist, Kinder beispielsweise nach Cahnsdorf zu bringen, dann gilt das für Flüchtlingsfamilien ebenfalls", so der Bürgermeister.

Flüchtlinge schleppen gefährliche Krankheiten ein.
Auch wenn für Flüchtlinge ein erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der Strapazen und engen Lebensräume in den Unterkünften besteht, bieten sie keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung. Nach ihrer Ankunft werden sie Gesundheitsuntersuchungen unterzogen, bei denen auch ein Screening zur Diagnostizierung von lebensbedrohlichen Krankheiten durchgeführt wird.

Von Asylbewerbern geht erhöhte Gefahr aus.
Jürgen Brückner ist Integrationsbeauftragter des Landkreises Elbe-Elster und sagte in einem RUNDSCHAU-Interview: "Es kann und wird im Einzelfall auch Konflikte geben. Die Statistik belegt aber, dass es gegenüber den deutschen Einwohnern keine höhere Kriminalrate gibt."

Es ist kein Platz für weitere Flüchtlinge.
Stimmt nicht. Das Problem ist nicht der Platz, sondern die Organisation. Das Bundesamt für Immigration kommt mit der Bearbeitung der Asyl-Anträge nicht hinterher, denn es fehlt an Mitarbeitern und Unterkünften. Dies erweckt den Eindruck, dass für weitere Flüchtlinge kein Raum wäre.

Durch die Asylbewerber steigt die Kriminalität
Nein, die Kriminalität ist durch Asylbewerber nicht gestiegen. Etwa 1,5 Prozent der Straftaten werden in Brandenburg durch Zuwanderer verübt. Lediglich aufgrund des starken Zustroms gibt es in einigen Regionen eine etwas höhere Anzahl von Fällen. Bei den Delikten handelt es sich vor allem um Eigentumsdelikte und Auseinandersetzungen unter den Asylbewerbern.

Laut Aussagen der Polizeidirektion Cottbus haben die Ladendiebstähle in der Stadt nicht zugenommen. "Die Kriminalstatistik weist keinen solchen Anstieg auf. In der Stadt Cottbus und auch in Geschäften und Einkaufsmärkten in der Nähe der Gemeinschaftsunterkünfte wird nicht mehr oder weniger gestohlen, als in vorangegangenen Jahren", informiert die Polizei.

Straftaten von Flüchtlingen werden nicht oder nur unzureichend verfolgt
Torsten Wendt, der Sprecher der Polizeidirektion Süd in Cottbus bestreitet vehement, dass die Polizei die Augen verschließe, wenn es darum gehe, Straftaten von Asylbewerbern zu ahnden. "Wir ziehen uns nicht zurück. Wenn ein Einkaufsmarkt einen Ladendiebstahl anzeigt, wird die Polizei dem auch nachgehen", stellt Wendt klar und verweist auf den Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster. Der hat kürzlich Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt, weil seinen Beamten vorgehalten worden war, nach Ladendiebstählen von Flüchtlingen keine Maßnahmen ergriffen zu haben.

Weiterführende Links zum Thema Asyl:

http://www.proasyl.de/de/home/gemeinsam-gegen-rassismus/fakten-gegen-vorurteile/

http://www.tagesschau.de/inland/asyl-153.html

http://www.einwanderer.net/Zugang-zum-Arbeitsmarkt.132.0.html

http://www.unhcr.org/pages/49c3646c23f.html

http://www.bamf.de/