Sie wollte die Schüler damit anregen, über Selbst- und Fremdbilder ihrer Heimatstadt nachzudenken und ihre Reflexionen fotografisch umzusetzen.

150 Teilnehmer

Die Aktion ist Teil des Kunstvermittlungsprogramms "Verwobene Stadt", dessen Ergebnisse bis zum 14. März in der Halle 14 der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei gezeigt werden. Ein Jahr lang haben 150 Schüler und Studenten den Außenblick auf ihre Stadt geübt. "Sie sollten über ihre Stadt nachdenken und den Stadtraum als einen gewachsenen, sich stets verändernden Organismus untersuchen", sagt Wednesday Farris. Die in Leipzig lebende amerikanische Künstlerin betreut die Kunstvermittlungsprojekte in der Spinnerei, wie das Gelände mitunter genannt wird.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war das Areal eine Stadt in der Stadt mit Fabriken, Wohnhäusern, Kneipen und eigenem Kindergarten.

Heute wohnen hier Künstler, Gewerbebetriebe haben sich angesiedelt, und Galeristen verkaufen Kunst an internationale Sammler.

Die Schüler einer Leipziger vierten Klasse wurden von Farris und ihren Kollegen nun angeregt, eine fiktive Geschichte der Baumwollspinnerei zu erfinden. Die Zehn- und Elfjährigen zeichneten Figuren, bauten Kulissen und drehten schließlich einen Animationsfilm. Den Blick dafür zu schärfen, dass "in einer Stadt alles erst werden musste und dass es sich ständig verändert", darum gehe es bei dem Projekt, sagt Farris' Kollege Michael Arzt.

"Sechs Freunde, drei Dinos und ein Kuss" läuft jetzt in Dauerrotation in einem der verdunkelten Kuben in der Halle 14 und wechselt sich ab mit einem rasanten, witzigen Zeichentrickfilm, den Farris' Kollegin Franziska Adler mit geistig behinderten Jugendlichen gedreht hat.

Kinder aus der Nachbarschaft

Farris' Kunstvermittlungsprojekt ist nicht das einzige in Leipzig.

Doch während vergleichbare Programme oft nur Kinder aus ohnehin kulturnahen Haushalten erreichen, setzt die "Verwobene Stadt" auch auf die Kinder aus der Nachbarschaft. Das Viertel rund um die Baumwollspinnerei gilt in Teilen als sozialer Brennpunkt. "Viele Eltern hier haben keinen Zugang zur Kunst. Sie wissen nicht, was das soll. Ihren Kindern geht's dann auch so", sagt Farris. Über die Zusammenarbeit mit Schulen habe man erreicht, dass Kinder aus der Gegend auf das Gelände kamen. "Sie merken, dass ihre Energie hier gut aufgehoben ist", sagt Farris.