Noch ist wenig erreicht, aber nichts verloren. Es klingt wie ein Mantra, was man in diesen Tagen beim Klimagipfel hört: "Paris ist nicht Kopenhagen." Es soll keine geografische Binsenweisheit sein, sondern ein hoffnungsfroher Kommentar zum Verhandlungsstand vor Beginn der zweiten Verhandlungswoche. Die Latte liegt allerdings niedrig, schließlich ist die Kopenhagener Klimakonferenz vor sechs Jahren krachend gescheitert.

Ein ehrgeiziger Weltklimavertrag ist nach Meinung von Teilnehmern und Beobachtern in Paris noch drin, aber längst nicht selbstverständlich. Sicher ist nur: In der zweiten Verhandlungswoche geht es jetzt ans Eingemachte, dann sitzen die Minister am Verhandlungstisch. "Kein Zweifel, es wird Drama geben", sagt Liz Gallagher von der Umweltschutzorganisation E3G. Unter dürrem Applaus, fast nebenbei, umschifften die Vertreter der 196 Konferenzteilnehmer am Samstag eine wichtige Klippe, sie einigten sich auf einen Textentwurf als Grundlage für die Ministergespräche. Das ist angesichts der weiterhin tiefen Gräben zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit. Doch Deutschlands Unterhändler Karsten Sach benennt den entscheidenden Haken: "Die wichtigen Fragen sind noch alle offen."

Südafrikas Botschafterin Nozipho Mxakato-Diseko, die mit viel Verve für einen riesigen Block von 133 vorwiegend wirtschaftlich schwächeren Ländern sowie China spricht, gibt sich ebenfalls gedämpft: "Die Gruppe hatte gehofft, dass unsere Arbeit zu diesem Zeitpunkt weiter vorangeschritten wäre." An vielen Stellen stehen noch mehrere widersprüchliche Textvarianten.

Beim Zankapfel Finanzhilfen für Entwicklungsländer gab es bisher viele Zeichen guten Willens, aber keinen entscheidenden Durchbruch. "Indien ist hier, um sicherzustellen, dass die reichen Länder ihre Schuld zurückzahlen", legt Indiens Umweltminister Prakash Javadekar unter Verweis auf die Verantwortung der Industrieländer, die historisch den Großteil der klimaschädlichen CO-Emissionen zu verantworten hatten. Bemerkenswert ist, dass wichtige Industriestaaten demonstrativ auf die größten Verlierer des Klimawandels zugegangen sind. Deren Forderung, die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, dürfte in irgendeiner Form Eingang in den Klimavertrag finden - auch wenn sie wohl kaum als verbindliche Marke an die Stelle des bisherigen Zwei-Grad-Ziels tritt. Dafür geworben hatten vor allem kleine Inselstaaten wie Vanuatu, die der steigende Meeresspiegel zu verschlingen droht. Jan Kowalzig von Oxfam ist froh, dass im Abkommen auch die Frage nach dem Umgang mit dauerhaften Schäden durch den Klimawandel erwähnt werden dürfte. Sie hätte angesichts der Sorgen der USA, künftig in Haftung genommen zu werden, auch unter den Tisch fallen können. Der Gruppe besonders unterentwickelter Länder reichen die Regelungen in beiden Punkten nicht.

Als empörend empfindet Kowalzig es dagegen, dass es keine klaren Vorgaben dafür geben dürfte, wie selbst eine Obergrenze für die Erderwärmung von zwei Grad zu erreichen wäre. Die schon vor der Konferenz vorgelegten nationalen Klimaziele reichen bislang bei Weitem nicht aus, der erhoffte Mechanismus zum regelmäßigen Nachbessern scheine nach jetzigem Stand schwach. "Es gibt keinen vernünftigen Prozess, um damit umzugehen. Das ist eigentlich ein Skandal", so Kowalzig. Immerhin sind alle Fragen, die Umweltschützern wichtig sind, noch im Gespräch, bilanziert Greenpeace-Experte Martin Kaiser. "Die harten Verhandlungen kommen jetzt", sagt er. Elina Bardram, die für die EU mitverhandelt, hofft, dass sich kleinere Streitpunkte wie von selbst klären - wenn die Umweltminister erst die dicken Brocken aus dem Weg räumen.

An Zuspruch für die Konferenzteilnehmer mangelt es nicht, auch Papst Franziskus ruft am Sonntag zu "jeder erdenklichen Anstrengung" auf. Und Südafrikas Botschafterin Mxakato-Diseko zitiert den südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela: "Es scheint immer unmöglich, bis es geschafft ist."