Von Christine Keilholz

Dirk Liebeck fährt Streife in Forst und spricht regelmäßig in Schulen. Der 54-jährige Polizist aus Forst klärt Jugendliche über Drogen auf. Crystal ist das Hauptproblem unter den Schülern, sagt Liebeck.

Aufklärung gehört in die 7. Klasse

Normalerweise steht er vor Achtklässlern, hält seinen Vortrag über die verschiedenen Drogen, die unter den Jugendlichen gängig sind. Er klärt auf über das Suchtpotenzial und beantwortet Fragen. „Das ist eigentlich schon zu spät“, ist er mittlerweile überzeugt. „Die Aufklärung sollte in der 7. Klasse passieren.“ Denn später, mit 14 Jahren, sind viele der Jugendlichen schon in Kontakt mit Drogen gekommen. Mit Cannabis, das oft die Tür in die Sucht öffnet – und mit dem schlimmsten Zeug: Crystal Meth.

Polen und Tschechien weiter Hotspots der Droge

Die synthetische Droge Methamphetamin ist aus der politischen Debatte verschwunden. Die rasante Ausbreitung dieser kristallinen Droge ist nicht mehr in dem Maße Thema, wie noch vor fünf Jahren. Doch die Lausitz hält sie weiter im Griff. Das Grenzgebiet zu Polen und Tschechien ist einer der Hotspots des illegalen Handels mit Crystal Meth. Hier ist die Droge unter Kriminalisten, Ärzten und Sozialarbeitern eine fast tägliche Erscheinung. Offizielle Zahlen zu Straftaten seien wenig aussagekräftig, heißt es von der Polizei. Beschaffungskriminalität in Form von Einbrüchen und Diebstählen wird nicht als Drogendelikt eingestuft. Aber nur, wenn man alle diese Straftaten einbezieht, bekommt man ein halbwegs klares Bild, wie süchtig die Lausitz nach Crystal Meth ist.

Kriminalstatistik weist sinkende Zahlen aus

Bundesweit werden die erfassten Rauschgiftdelikte seit einigen Jahren weniger, auch die Kriminalstatistiken von Brandenburg und Sachsen stellen Rückgänge fest. Anders in der Lausitz: 2018 registrierte die Polizeidirektion Süd ein Plus von 300 Drogendelikten. Die Polizei sieht diese Fälle als Kontrolldelikte: Je mehr Beamte im Kampf gegen Crystal, Cannabis, Heroin und Kokain im Einsatz sind, desto öfter werden sie fündig. Fahnder und Ärzte gehen davon aus, dass die Zahl der Abhängigen in der Region steigt.

In Lausitz beginn Weg in deutschen Drogenmark

Die Lausitz ist die erste Station, die das fertige Crystal Meth nimmt auf dem Weg zum deutschen Drogenmarkt. Es stammt meist aus Drogenküchen hinter der tschechischen Grenze, wo Grundstoffe zusammengepanscht werden, die zuvor in Polen beschafft wurden. Um diesen Handel auszuhebeln, hat die Polizei im Nachgang der Landtagswahlen 2014, als Crystal heftig diskutiert wurde, ihre Kontrollen im Grenzraum verstärkt. Aber schon 2017 wurden die Bemühungen runtergefahren, weil sich „die Schwerpunkte der Polizeiarbeit verschoben“ hatten, begründet die Polizeidirektion damals.

Schon die erste Dosis macht abhängig

Crystal Meth macht schon nach der ersten Dosis abhängig. So entstehen Schicksale, von denen Fahnder berichten: „Wir haben schon mit Kindern zu tun, die dieses Zeug nehmen“, sagt eine Sprecherin der Dienststelle.

Um der Lage Herr zu werden, hat das Gesundheitsministerium in Potsdam die Mittel für die Suchtberatung in Südbrandenburg schon 2016 erhöht. Dem Kreis Spree-Neiße ist das zu wenig. Im Oktober 2018 hat der Kreistag deshalb ein „abgestimmtes Handeln gegen Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität“ beschlossen.

Mehr Sozialarbeiterstellen und Präventionsprojekte

Der Plan sieht zwei Sozialarbeiterstellen und mehr Geld für Präventionsprojekte aus dem Kreisbudget vor. Auch sollen die Plätze in betreuten Wohngruppen für Suchtkranke erhöht werden. „Wo es einen Stamm von Süchtigen und Dealern gibt, ist es schwierig, das Problem an der Wurzel zu packen“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnet Raik Nowka aus Spremberg. Crystal werde in Potsdam noch immer in erster Linie als Lausitzer Problem wahrgenommen.  

Polizei bietet Programme für Schüler an

An die Landesregierung erhebt der Kreistag zudem die Forderung, die Präventionsarbeit der Polizei an Schulen zu erhöhen. Die Polizei bietet Präventionsprogramme für Schüler, aber auch Lehrer und Eltern. Es sind Kurse, wie sie Dirk Liebeck in Forst anbietet. Die betroffenen Schüler sollen sich ihres Drogenkonsums bewusst werden und erfahren, wie sie sich anders verhalten können. Sie sollen schlicht lernen, erfolgreich Nein zu sagen. Eltern und Lehrer klärt die Polizei darüber auf, wie sie sich verhalten, wenn sie Drogenkonsum beim Kind vermuten.

Nach fünf Jahren, in denen Liebeck durch die Schulen seiner Stadt zieht, ist er überzeugt: „Dieses Drogenproblem besteht an jeder Schule.“ Seine Arbeit wird immer wichtiger.

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