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Geschichte
Forschungsbedarf zu Zwangsadoptionen in der DDR

Potsdam. Studie im Auftrag der Bundesregierung erstellt. dpa

Beim Thema Zwangsadoptionen in der DDR gibt es noch Forschungs- und Aufarbeitungsbedarf. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag in Potsdam veröffentlichten Studie, die das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) im Auftrag der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), erstellt hat. Gleicke erklärte: „Die Vorstudie kommt zu dem Ergebnis, dass das Phänomen politisch motivierter Adoptionen in der DDR zwar lange bekannt, aber bislang  nur  punktuell erforscht ist.“

Die Aufarbeitung dieses Themas stelle eine geschichtswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Herausforderung dar. Sie erfordere das interdisziplinäre Zusammenwirken von Forschern unter Einbezug von Opferverbänden, Aufarbeitungsinstitutionen und öffentlichen Stellen, unterstrich die scheidende Ostbeauftragte. Sie rief dazu auf, sich einem Aspekt des SED-Unrechts zu nähern, „der kaum nachvollziehbare Spuren hinterließ und dessen Ausmaß unbekannt ist“.

Die Studie zeige, dass es zwischen 1966 und 1990 in der DDR zu politisch motivierten Adoptionsverfahren gekommen sei, „die nach allgemeinen rechtsstaatlichen Maßstäben als Unrecht bezeichnet werden können“. Zugleich werde deutlich, dass sich die politisch motivierte Adoption „nicht als ein systematisch angewandtes Mittel der Repressionspolitik des SED-Staates gegen vermutete oder tatsächliche politische Gegner rekonstruieren lässt“.

Die Wissenschaftler empfehlen, das Thema mit einem Forschungsteam aus Historikern, Juristen und Soziologen anzugehen. Als Schwierigkeit sehen sie, dass Zwangsadoptionen aufgrund formaler Bedingungen nur sehr schwer erforsch- und nachweisbar seien. Es sei notwendig, dass jene Stellen, die Adoptionsakten verwahren, gemeinsam mit Forschern und Auftraggebern ein „außerordentliches Verfahren der Akteneinsicht“ entwickeln. „Das setzt eine grundsätzlich positive und proaktive Haltung aller Beteiligten zum Forschungsthema und zum politisch vorgegebenen Ziel des Forschungsauftrags voraus“, heißt es in der Vorstudie.

Betroffen waren demnach vor allem Kinder von alleinerziehenden oder minderjährigen Müttern und aus Großfamilien. Es waren zudem Eltern, die unter dem Verdacht standen, die öffentliche Ordnung durch „asoziales Verhalten“ zu gefährden oder die bei einer Republikflucht gefangen wurden oder sich durch politische Delikte strafbar gemacht hatten. Betroffene Eltern hatten keine Möglichkeit, gerichtlich dagegen vorzugehen, dass ihre Kinder vom Staat per Zwangsadoption in andere Familien übergeben wurden.