Bush. Jetzt hat Obama die langjährige Behinderung der embryonalen Stammzellenforschung aufgehoben. Doch wenige Themen sind ein derartiger Zankapfel in den USA. Es geht um Moral, christliche Ethik und die Grundfrage "Wo sind die Grenzen der Wissenschaft?" - und es geht um viel Geld und Wählerstimmen."Jetzt liegt das Mittelalter endlich hinter uns", jubelt Robert Klein, Leiter des Stammzelleninstituts im Bundesstaat Kalifornien. Wissenschaftler sehen Obamas Ja zur staatlichen Finanzierung embryonaler Stammzellenforschung einhellig als Lichtblick. Die strikten Auflagen für die Verwendung dieser menschlichen Embryozellen hatten die staatliche Forschung in den USA beinahe zum Erliegen gebracht. Zwar hatte Bush nicht generell die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen verboten, privat war sie weiter möglich. Dennoch war der Bush-Erlass ein Schlag gegen die Forschung - eine potenziell lukrative Zukunftsindustrie war gefährdet. Doch hinter Bushs striktem Nein stand auch kühle politische Berechnung. So war es die konservative religiöse Rechte, die ihm bei Wahlen den Rücken stärkte. "Obama beabsichtigt, die Wissenschaft vor der Politik zu schützen", titelte jetzt die "Washington Post". Der Grundgedanke: Es sei nicht Sache der Politik, die Forschung zu gängeln. Vielmehr solle sich die Wissenschaft selbst notwendige Vorgaben erlassen. Tatsächlich wird es noch Monate dauern, meinen Experten, bis die Obama-Wende konkrete Folgen zeigt: Zunächst müsse das National Institute of Health Leitlinien formulieren. Demnächst verteilt die Behörde 10,4 Milliarden Dollar (8,2 Milliarden Euro) Forschungsgelder aus dem Konjunkturprogramm. Doch die Hoffnungen, dass der erbitterte Streit beendet ist, sind gleich null.Während Befürworter der Forschung jubeln, gibt sich die religiöse Rechte weiter unversöhnlich. Es handele sich um eine Zerstörung werdenden Lebens. "Eine tödliche Verordnung des Präsidenten", wettert Tony Perkins, Präsident des strikt konservativen Family Research Council.