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Forscher suchen nach Einsatzfeldern für Lausitzer Eisenhydroxidschlamm

Altdöberner See. Eine Bürgerinitiative hatte dort im vergangenen Sommer nach langem Widerstand den Plan der LMBV gestoppt, das tiefe Bergbaufolgegewässer als Ockerschlamm-Lagerstätte zu nutzen.
Altdöberner See. Eine Bürgerinitiative hatte dort im vergangenen Sommer nach langem Widerstand den Plan der LMBV gestoppt, das tiefe Bergbaufolgegewässer als Ockerschlamm-Lagerstätte zu nutzen. FOTO: Augustin
Senftenberg. Die Potsdamer Uni will Böden verbessern. Die Bergbausanierer prüfen den Einbau auf Kali-Halden in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Jan Augustin

Im Kampf gegen den unliebsamen Eisenhydroxidschlamm (EHS) in der Lausitz gibt es neue Hoffnung. Den Sanierern der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) liegt aktuell eine Anfrage der Potsdamer Universität vor. Die Hochschule will untersuchen, inwieweit EHS in strukturschwache Böden eingearbeitet werden kann, um die Ertragsfähigkeit zu verbessern. "Es ist ein Vorschlag aus der Wissenschaft, den wir zurzeit prüfen", bestätigt Dirk Sonnen, der Bereichsleiter der Sanierungsplanung. In der Strategie der Bergbausaniererin gegen den braunen Schlamm spielt die Verwertung von EHS eine wichtige Rolle. "Hier gibt es einen starken Entwicklungsbedarf", räumt Sonnen aber ein. Die Firma Produktions- und Umweltservice (PUS) aus Lauta stellt auf Basis von Eisenhydroxid mehrere Umweltprodukte her, die vorrangig als Reaktionsfilter in Biogasanlagen eingesetzt werden. Andere Verwertungsmöglichkeiten gibt es bisher nicht.

Das soll sich ändern. Die Bergbausanierer tüfteln seit etwa einem Jahr noch an einer weiteren Lösung. Sie sieht vor, EHS als Dichtschicht auf Kali-Rückstandshalden der LMBV einzusetzen. "Das ist eine Möglichkeit der unternehmensinternen Verwertung", erklärt Sonnen. Und die Idee sei bereits fortgeschritten. Es gab Laboruntersuchungen, bestätigt der Sanierungsplaner. Nun gehe es um die Frage der rechtlichen Genehmigungsfähigkeit. Mit dem Lausitzer Eisenschlamm könnte dann auch ein Problem an den vor allem in Thüringen und Sachsen-Anhalt stehenden Kali-Halden beseitigt werden: Durch eine EHS-Schicht könne künftig nicht mehr so viel Kali-Lauge in den Boden gelangen. Vor rostbraunen Bergen müssen sich die Anrainer dabei nicht fürchten. Der Ockerschlamm soll nur als Zwischenschicht eingefügt werden, die mit Kulturboden abgedeckt werde.

Spektakulär klingt auch eine dritte Idee, mit der sich die Bergbausanierer beschäftigen. Untersucht wird seit geraumer Zeit, inwieweit die Verwertung von Schlämmen zum Herstellen von Eisenchloridlösungen geeignet ist, die unter anderem bei der Sanierung von stark nährstoffreichen Binnengewässern eingesetzt werden kann. "Das ist ebenfalls ein neuer Ansatz", sagt Dirk Sonnen. Das Projekt befinde sich momentan noch in der Machbarkeitsanalyse.

Verspült wird Eisenhydroxidschlamm durch die LMBV derzeit an zwei Stellen in der Lausitz. Für die Wasserbehandlungsanlage Rainitza bei Senftenberg ist die Einspülung von EHS in den Sedlitzer See bis zum Jahr 2026 genehmigt. "Das hat keine Auswirkungen auf die See-Qualität", versichert Dirk Sonnen. Die Einleitung erfolge - bezogen auf den Endwasserstand - in einen Tiefenbereich von unter zehn Metern. Im oberen Bereich habe die Einleitung keinen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt. Zudem fließt EHS aus der Grubenwasserreinigungsanlage Pößnitz in den Wildschweinteich bei Schipkau.

Die Sanierer haben noch andere Bergbaufolgeseen für die Verspülung von EHS im Visier. Nach den Protest-Erfahrungen aus Altdöbern sind sie aber vorsichtig geworden mit verfrühten Aussagen. Eine Bürgerinitiative hatte dort im vergangenen Sommer nach langem Widerstand den Plan der LMBV gestoppt, das tiefe Bergbaufolgegewässer als Ockerschlamm-Lagerstätte zu nutzen. Es gebe aber andere Tagebauseen, an denen keine touristische Nutzung geplant sei, sagt Dirk Sonnen: "Nur wenn die notwendige Schutzgutbewertung mit einem klaren Votum zur Eignung eines Gewässers abgeschlossen ist und alle zu erwartenden Fragen der Bürger beantwortet werden können, werden wir konkrete weitere Schritte in diese Richtung gehen." Selbiges gelte für die Suche nach Deponien an Land. "Verschiedene Standorte wurden geprüft. Ab Sommer könnten Untersuchungen dazu starten", sagt Sonnen.