Während auf der angrenzenden Straße die Autos vorbeirauschen, arbeitet sich die Geologie-Studentin mit ihren Kollegen mühsam, Zentimeter für Zentimeter, tiefer ins Chemnitzer Erdreich ein. Die ehrenamtlichen Helfer legen im Stadtteil Hilbersdorf auf einem etwa 500 Quadratmeter großen Grundstück einen für Paläontologen unschätzbar wertvollen Schatz frei - den versteinerten Wald von Chemnitz.
Die Stadt ist für Forscher über vergangene Erdzeitalter ein Paradies. Überall sollen Fossilien im Erdreich liegen. Sie sind rund 290 Millionen Jahre alt. Damals lag Mitteleuropa noch in der tropischen Klimazone und in Sachsen wuchs Regenwald. Ein gewaltiger Vulkanausbruch zerstörte diese Welt in Chemnitz. Die Bäume wurden entwurzelt und verschüttet. Was damals eine Katastrophe war, ist für Wissenschaftler heute ein Glücksfall. Das ist weltweit fast einmalig.
Seit vier Monaten lässt der Direktor des Chemnitzer Naturkundemuseums, Ronny Rößler, die versteinerten Hölzer freilegen. Es sind die ersten wissenschaftlichen Grabungen überhaupt nach dem Wald. Bislang haben sie sich in Chemnitz immer nur auf das Aufsammeln der Fossilien beschränkt. Einige Hundert sind so in den vergangenen 300 Jahre zusammen gekommen. Sie stehen in Museen in aller Welt. Die rund 70 zumeist ehrenamtlichen Helfer haben seit April bereits zahlreiche Stämme, Äste und Baumkronen zu Tage gefördert. So entdeckten die Forscher etwa an einem Ast eine Wucherung, die auf einen kranken, von Pilzen befallenen Baum schließen lässt. Auch den ersten stehenden, noch verwurzelten Stamm eines Nadelbaums seit dem Jahr 1752 legten die Helfer frei.
Zuletzt fanden sie einen Schachtelhalmstamm (Foto) mit Verzweigung. "Das ist eine Sensation", sagt Rößler.