Der Ausbau der erneuerbaren Energie, davon ist Professor Hans-Joachim Krautz überzeugt, wird ungebremst weitergehen. Doch Wind- und Solarstrom werden ungleichmäßig in die Stromnetze eingespeist. Der gleichzeitige Ausstieg aus der Kernenergie stellt deshalb die Kohlekraftwerke vor die große Herausforderung, immer schneller auf wechselnden Strombedarf reagieren zu können.

Diese Flexibilität ist seit einigen Jahren ein wichtiges Thema der Forschung am Lehrstuhl für Kraftwerkstechnik der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), den Professor Krautz leitet. Sein Team arbeitet dabei nicht nur mit anderen Hochschulen zusammen, sondern auch mit dem Energiekonzern Vattenfall und mittelständischen Firmen in der Region, die im Kraftwerksservice tätig sind.

Lausitz Partner für den Bund

Am Mittwoch und Donnerstag werden sich 200 Vertreter aus diesen Unternehmen, aus Industrie und Energieversorgern auf Einladung der BTU-Kraftwerkstechniker in Cottbus zu einem Innovationsforum treffen. Ziel ist, ein Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft zu knüpfen, das alle Akteure verbindet, die sich mit Fragen der Flexibilisierung von Kraftwerken befassen.

Das Forum wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. "Der Bund sieht die Lausitz als wichtigen Player bei der Energietechnik", sagt Krautz. Bereits 2007 hatte der Bund ein solches Forum am Lehrstuhl Kraftwerks-technik in Cottbus finanziell unterstützt. Die zweitägige Konferenz in dieser Woche in Cottbus ist Grundlage für ein neues Projekt, das beim Bundesforschungsministerium eingereicht und bei Zustimmung mit drei Millionen Euro in fünf Jahren Laufzeit unterstützt wird. Parallel dazu, so Professor Krautz, hätten sich kleine und mittelständische Firmen entschlossen, gemeinsam eine Stiftungsprofessur für diesen Zeitraum überwiegend zu finanzieren.

Dass kleine und mittelständische Firmen an dieser Forschung durchaus Interesse haben können, erklärt Hans-Joachim Krautz an den Problemen, die es zu lösen gilt. Sein Lehrstuhl arbeitet zusammen mit Fachleuten aus Hamburg und Zittau an der Entwicklung neuer Brenner für Braunkohlekraftwerke und einer elek-trischen Zündung. Das Hoch- und Runterfahren der Kraftwerke erhöhe deren Verschleiß. "Das stellt neue Herausforderungen an die Instandhaltung, an Regelungs- und Steuertechnik und die Kraftwerksreinigung", so Krautz.

Bei der Frage der Stromspeicherung denken die Kraftwerkstechniker nicht nur an Wind- und Solarstrom. Kraftwerk und benachbarter Tagebau, die selbst große Stromverbraucher seien, könnten als flexibler Komplex genutzt werden. Dies Idee funktioniert so: Wenn viel Stromüberschuss da ist, wird mehr Kohle gefördert. Wenn der Strombedarf im Netz steigt, wird der Tagebau gedrosselt und die Braunkohle für das Kraftwerk von der Halde geholt.

Forschen für Energiespeicherung

Doch es geht dem Team von Krautz nicht nur um Braunkohlekraftwerke. Die BTU-Fachleute forschen auch an der Speicherung von Strom durch Umwandlung von Elektroenergie in Wasserstoff, der später in Gasturbinen als Brennstoff dient. Der Lehrstuhl Kraftwerkstechnik arbeitet dabei mit dem Windanlagenbauer Enertrag zusammen. Die großtechnische Lösung des Stromspeicherproblems gilt neben dem Netzausbau als entscheidender Schritt, um bei der Energiewende die Versorgungssicherheit nicht aufs Spiel zu setzen. Bei der Debatte um die Speichertechnik mahnt Krautz jedoch zu mehr Sachlichkeit. "Wir werden auch in zehn Jahren noch nicht die Energiespeicher haben, die wir brauchen."

Er schätzt, dass es noch länger dauern wird, diese Technik bis zur großtechnischen Anwendungsreife zu entwickeln. Notwendig sei es jetzt, Fördermittel des Bundes zielgerichtet in einige Pilotanlagen zu stecken, damit die Entwicklung vorankommt.