Der BND habe aus seiner Quelle in Bagdad berichtet, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt. Gleichzeitig hätten die Deutschen ihre Bedenken über die Verlässlichkeit ihres Informanten übermittelt. Die Warnungen seien jedoch ignoriert worden, "um den Krieg gegen das Regime von Saddam zu rechtfertigen", ließ ein CIA-Beamter gestern in Washington wissen.
Die US-Regierung hatte den im März 2003 gegen den Irak begonnen Krieg zuerst ausschließlich damit begründet, dass Saddam Massenvernichtungswaffen besitzt, mit denen er die ganze Welt bedrohen kann. Dem BND wurden nach den Informationen damals die "Erkenntnisse" über das irakische Waffenarsenal von einem Überläufer präsentiert.
Der BND gab sein Wissen unter "großem Vorbehalt" an die CIA weiter. Es habe sich um einen irakischen Chemieingenieur gehandelt, der jedoch als "relativ unzuverlässig" eingeschätzt wurde, war zu erfahren. Die "Los Angeles Times" berichtete jetzt, der BND-Informant sei unter dem Codenamen "Curveball" geführt worden.

Schröders Entscheidung
Wie aus Geheimdienstquellen weiter zu hören war, haben die mit den Bedenken des BND ausgestatteten Nachrichten über angebliche Massenvernichtungswaffen von Saddam eine Rolle bei der Entscheidung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) gespielt, die Bundeswehr nicht in den Irak-Krieg zu schicken.
US-Präsident George W. Bush und sein Außenminister Colin Powell hatten die Behauptungen von "Curveball" als "verlässliches amerikanisches Geheimdienstmaterial" bezeichnet. "Dass wir die warnenden Hinweise des BND einfach missachtet haben, nur um auf jeden Fall den Angriff auf den Irak zu begründen, gehört mit zu unseren schwersten Fehlern", räumte der CIA-Vertreter ein.
In einer weltweit viel beachteten Fernsehpräsentation hatte Powell am 5. Februar 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat seine "Beweise" für mobile Waffenlabors im Irak vorgeführt. Er berief sich dabei auf "Informationen aus erster Hand". Nach langem Suchen hatten neben UN-Inspektoren auch US-Waffeninspekteure keine Belege für die Existenz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen im Irak finden können. Bush bekräftigt aber nach wie vor, auch ohne den Fund von Massenvernichtungswaffen sei das militärische Eingreifen der USA im Irak "nötig gewesen".

Powells „Schandfleck“
Nachdem sich die Angaben der CIA als falsch erwiesen hatten, räumte Powell sehr viel später ein, einen schweren Fehler begangen zu haben. Er bezeichnete seine Rede zur Rechtfertigung des Irak-Krieges in einem Interview im September 2005 als einen "Schandfleck" in seinem Lebenslauf. Die Erinnerung daran werde für ihn stets "schmerzvoll bleiben". Nach Angaben der "Los Angeles Times" lebt Informant "Curveball" unter dem Schutz des BND in Süddeutschland.