"Die Sprachhürden lassen sich eben nur von unten her kippen", meint Bürgermeister Heinz-Peter Haustein. Er sieht die Kita als "hervorragende Keimzelle für wachsende Gemeinsamkeiten, weil man damit auch ganz zwanglos deutsche und tschechische Eltern in Kontakt bringt". Bei der EU sieht man das offenbar ähnlich. Denn nicht weniger als 250 000 der 300 000 Euro Baukosten schoss Brüssel aus seinem Programm Interreg III A zur Förderung von Grenzkooperationen hinzu. Den Rest beglich Sachsen. Für das Dorf also ein lukratives Nullsummenspiel, das natürlich auch anderswo Begehrlichkeiten weckt.
Und Chancen hierfür bestehen durchaus - gerade im Grenzraum von Sachsen zu seinen beiden Ostnachbarn. Den fördert Brüssel seit Jahren bevorzugt und will dies auch künftig tun. "Es gibt Gelder für wirtschaftliche und Tourismusvorhaben, für die Umweltverbesserung, für ländliche Entwicklungsprojekte, Bildungskonzepte oder soziokulturelle Themen, wenn sie etwas grenzüberschreitend anzupacken sind", informiert Yvonne Schönlein. Sie arbeitet im Technischen Interreg-Sekretariat in Dresden, das hier im Haus der Sächsischen Aufbaubank residiert. Auch für die Entwicklung von Dörfern, die ökologische Landschaftsgestaltung, naturnahe Waldbewirtschaftung oder regionale Produktkreisläufe gebe es lohnende Zuschüsse. Interessante Geschichten kamen so schon auf den Weg. Im Vogtland engagieren sich etwa böhmische und sächsische Angler f* amp*uuml;r die Rettung der geschützten Flussperlmuscheln, die hier im Gebirgswasser der Grenzbäche leben. Und im Oberlausitzer Mittelherwigsdorf entstand ein "Traumpalast" - ins Leben gerufen von deutschen und tschechischen Schulen und nun mit Leben erfüllt durch Theater, Kabarett und diverse Feste. Nennen ließen sich Dutzende weitere Projekte, von bilateralen Naturlehrpfaden bis zu Hochwasserschutzmaßnahmen.
Wichtig sei stets, dass wirklich Partner von beidseits der Grenze einbezogen werden, "dass also die Zusammenarbeit wirklich gelebt wird", so Yvonne Schönlein. Dieses Miteinander gewinne sogar noch ab 2007 an Gewicht, wenn eine neue EU-Förderperiode beginne. Dann reiche es nicht mehr, dass vielleicht jemand auf deutscher Seite eine gute Idee für mehr grenzüberschreitende Kooperation hat, die Umsetzung aber ausschließlich durch Sachsen erfolge. "Künftig muss mindestens ein Projektpartner pro Land einbezogen werden", erläutert sie. Zudem müsse ein Vorhaben möglichst kooperativ geplant, umgesetzt, finanziert und betreut werden.
Bei alledem erleben die Förderexperten immer wieder Fälle, dass jemand zwar eine gute Projektidee hat, aber entweder keinen tschechischen Partner dafür oder keine Ahnung, wie man eine Förderung beantragt. Oder es fehle eine öffentliche deutsche Kofinanzierung durch Gemeinde, Kreis oder Freistaat, womit auch kein Geld aus Brüssel fließen kann. Zuweilen sei auch der Ideengeber schlichtweg nicht antragsberechtigt oder seine Pläne passten nicht ins vergleichsweise starre Korsett, wie man es von EU-Programmen zuweilen kennt.
Für all jene Fälle lade das Dresdener Büro regelmäßig zu Beratungstagen in die Geschäftsstellen der vier sächsischen Euroregionen ein, informiert Yvonne Schönlein. Gern treffe man sich aber auch mit potenziellen Antragstellern individuell. Zudem gebe es mehrsprachige Kooperationsbörsen, auf denen schon mancher, der mit einem Grenzlandprojekt schwanger ging, einen Partner jenseits des Schlagbaums fand. Denn man könne hier seine Adresse und das gewünschte Kooperationsprofil an große Tafeln pinnen, eigene Kompetenzen vorstellen, seinen Wunschpartner beschreiben oder sich mit Einrichtungen austauschen, die hierbei schon Erfahrungen haben.