"Die meisten sind bisher nicht zum Nachdenken gekommen, weil sie die ganze Zeit damit beschäftigt waren, ihre Häuser wieder bewohnbar zu machen und sich um finanzielle Unterstützung zu kümmern", sagte die Expertin in einem Gespräch. Inzwischen sei aber eine Ruhe- und Erschöpfungsphase eingetreten, die von Beklemmung und Angstgefühlen beherrscht werde.
Im Auftrag des Regierungspräsidiums Dresden kümmert sich Langer gemeinsam mit einer Sozialpädagogin um die psychosoziale Nachsorge Betroffener. Dieses Projekt wurde durch eine Spende der Johanniter Unfallhilfe in Höhe von 200 000 Euro ermöglicht. Bei ihren Gesprächen machte Langer die Erfahrung, "dass die Gefühlswelt mancher Flutopfer total auf den Kopf gestellt ist". Viele von ihnen würden Reaktionen zeigen, die sie vorher von sich selbst nicht kannten.
"Eine Frau hat zum Beispiel Wasser in ihrem Wohnzimmer gesehen, obwohl da gar keins war. Irgendwann hat sie sich eingeredet, verrückt zu werden", berichtete Langer von einem Schicksal. Paare hätten berichtet, dass sie sich seit den Erlebnissen ständig streiten, weil sie sich den nervlichen Belastungen nicht gewachsen sind.
Nach Aussagen von Langer sind derartige Reaktionen nach einem einschneidenden Erlebnis wie dem Hochwasser nicht selten. In ihren Gesprächen mit Betroffenen wolle sie ihnen klar machen, dass ihr Verhalten völlig "normal" sei. Die Flutopfer müssten über die körperlichen Abläufe, die ihre psychischen Veränderungen bedingen, genau informiert werden: "Je mehr sie darüber wissen, desto besser können sie ihre Erinnerungen einordnen und verarbeiten."
Doch nicht nur jene, die von der Flut direkt betroffen waren, benötigen Hilfe. "Wir wollen auch Mitarbeiter von Beratungsstellen, Verwaltungen sowie Kindertagesstätten und Schulen unterstützen, die Geschädigte betreuen", sagte Langer. Ihnen werden kostenlose Schulungen und Informationsabende angeboten. Dabei geht es beispielsweise über Strategien zur Bewältigung der Erlebnisse und Tipps zur Verarbeitung von extremen Stress nach einer Katastrophe.
Das Angebot richtet sich auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die während der Flut Großartiges leisteten. "Für diese Leute heißt es 'Nach der Katastrophe ist immer vor der Katastrophe'", sagte Langer. Besonders mit Blick auf die nächsten Einsätze der Helfer sei es sinnvoll, ihre Kompetenzen zu erweitern. (dpa/bra)