Als Folge einer „Philosophie“, die Katastrophenbekämpfung den unteren Katastrophenschutzbehörden zu überlassen, seien Bemühungen, sich an die Spitze der notwendigen überörtlichen Entscheidungen zu setzen, unterblieben, heißt es in dem Bericht. In der ersten Phase der Katastrophe habe die oberste Katastrophenschutzbehörde ihre Aufgabe wegen fehlender Kräfte und Mittel nur unzureichend erfüllt. Der zentrale Krisenstab habe erst mit zweitägiger Verspätung seine Arbeit aufgenommen, dann aber seine Aufgabe erfüllt, sagt von Kirchbach.
Grunddefizit sei es gewesen, dass der Stab als Stab des Innenministeriums und nicht der Staatsregierung angelegt worden sei, heißt es in dem Bericht weiter. Die Maxime, in einer Katastrophe nur aus einer Hand zu führen und zu entscheiden, habe damit nur unzureichend erfüllt werden können.
Andererseits wird die Entscheidung von Innenminister Horst Rasch (CDU) verteidigt, keinen landesweiten Katastrophenalarm auszulösen. Doch diese Verteidigung fällt auffallend zurückhaltend aus. Unabhängig von der Auslösung eines landesweiten Katastrophenalarms hätte sich an den originären Aufgaben der Katastrophenschutzbehörden nichts geändert, heißt es in dem Bericht.
Kritisiert wird in dem Kirchbach-Bericht zudem die Organisation des Hochwassermeldedienstes, die mit ihren vier zuständigen Dienststellen für ein schnelles und konzentriertes Handeln zu verzweigt sei. Die Deiche seinen vielerorts in einem unbefriedigenden Zustand, die Zahl der Brüche zu hoch. In Einzelfällen habe das Lagezentrum der örtlichen Katastrophenstäbe selbst im Hochwassergebiet gelegen, was Ortswechsel erforderlich gemacht habe, die Qualität der Katastrophenpläne sei „unterschiedlich“ gewesen, ebenso das Kartenmaterial.
In ihrem rund 250-seitigen Bericht unterbereitet die Kirchbach-Kommission 44 Vorschläge zur Verbesserung des Katastrophenschutzes in Sachsen. Ministerpräsident Georg Milbradt sicherte zu, dass die Vorschläge in der Verwaltung geprüft und umgesetzt würden. Kirchbach solle Milbradt zufolge bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen weiter zur Seite stehen.
Die Opposition im Landtag hat unterdessen ihre Forderung nach Entlassung von Innenminister Horst Rasch (CDU) erneuert. Von einem „ebenso verheerenden wie beschämenden Ergebnis für Innenminister Horst Rasch“, spricht die PDS. Die SPD wirft Rasch Entscheidungsschwäche vor. Ministerpräsident Milbradt hat sich schützend vor seinen Minister gestellt. Rasch habe sein Amt erst wenige Wochen vor der Flut übernommen und sei für die Katastrophe nicht verantwortlich.