Kurze Zeit später sind Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und Hubschrauber in dem unwegsamen Tagebaugelände vor Ort. Die Maschine liegt am Boden, die beiden Piloten des Ultraleichtflugzeuges vom Typ „Smaragd“ sind tot.
Rainer L. (49) und Hans-Joachim K. (56) vom Luftsportverein Neuhausen waren kurz zuvor von ihrem Heimatflugplatz in der Nähe von Cottbus gestartet. Beide verfügten nach RUNDSCHAU-Informationen über viel Erfahrung mit Segel- und Motorflugzeugen. Hans-Joachim K. war Fluglehrer und hatte als Segelflieger bei vielen Meisterschaften vordere Plätze belegt. Gestern sollte er auf einem Routineflug seinen Vereinskollegen in die Steuerung des neuen Ultraleichtflugzeugtyps einweisen.

Test von Gefahrensituation
Dazu gehören nach RUNDSCHAU-Recherchen nicht nur das Üben von Start und Lan dung der Maschine, sondern auch das Simulieren von Gefahrensituationen wie langsames Fliegen, Steigflug, Sinkflug und das Meistern enger Kurven. Das Tagebaugelände wird dabei bewusst als Übungsareal gewählt, um Anwohner bei einem eventuellen Unfall nicht zu gefährden.
Was gestern zum Absturz der „FA 01 Smaragd“ führte, bleibt zunächst unklar. Spezialisten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung Braunschweig treffen zur Klärung der Ursachen am Nachmittag ein. Unter Aufsicht von Fachleuten des Instituts für Rechtsmedizin Frankfurt (Oder) werden die Opfer geborgen. Sie werden nach Auskunft von Tobias Pinder von der Staatsanwaltschaft Cottbus, die die Ermittlungen leitet, „wie immer in solchen Fällen“ obduziert.
Am Ort des Unfalls gibt es für Beobachter keine sichtbaren Anzeichen, die darauf deuten, dass die Piloten eine Notlandung versucht haben. Das zweisitzige Cockpit ist stark zerstört, das vordere Rad weggeknickt. Tragflächen und der hintere Teil des Flugzeuges weisen dagegen weniger Schäden auf. Einige abgerissene Teile liegen verstreut im Umkreis von wenigen Metern. Kriminaltechniker sichern die Spuren.

Andere Flieger fassungslos
Aus dem Cockpit hängt ein gelber Fallschirm heraus. Er ist nicht aufgebläht. Vieles deutet darauf hin, dass der Ultraleichtflieger aus relativ geringer Höhe und mit nicht allzu großer Geschwindigkeit abgestürzt sein könnte. Die normale Reisegeschwindigkeit liegt nach Herstellerangaben bei der „Smaragd“ bei 200 Kilometer je Stunde (km/h), die Mindestgeschwindigkeit bei 65 km/h. Die Manövergeschwindigkeit wird mit knapp 170 km/h beziffert.
Auf dem Flugplatz Neuhausen ist gestern Nachmittag fast nichts von dem tragischen Unglück zu spüren. Eine Hand voll kleiner Flugzeuge steht auf dem Platz, ein Mann mäht mit einem Rasentraktor eine Wiese. Günter Mantel hat etwa zwei Stunden nach dem Absturz durch einen Anruf davon gehört. „Ich bin dann gleich hierher gekommen, um mehr zu erfahren“ , sagt er. Doch Näheres weiß zu dieser Stunde auch auf dem Platz in Neuhausen niemand.
Die „Smaragd“ sei nicht zum ersten Mal im Einsatz gewesen. „Ich wäre morgen mit dieser Maschine dran gewesen“ , sagt ein anderer Hobbypilot, der zusammen mit Günter Mantel die Radionachrichten über den Unfall verfolgt: „Es ist einfach unerklärlich.“ Mantel, der die beiden Toten kannte, ist auch Stunden nach der Unglücksnachricht noch völlig fassungslos: „Ich wünschte, es wäre alles nur ein böser Traum, aus dem man aufwachen könnte.“