Wie der umstrittene Projektentwickler Friedhelm Brandhorst am Dienstag auf dpa-Anfrage sagte, halte die Stührenberg Holding aus Detmold (Nordrhein-Westfalen) an dem Vorhaben zwar in verkleinerter Form fest. Er selbst werde sich aber wegen der in der Region geäußerten Kritik an den Investoren und an ihn aus der Lausitz zurückziehen.

Damit könne das für 68 Millionen Euro geplante Vorhaben in dem einst vorgesehenen Ausmaß nicht realisiert werden. „Ich werde der Holding vorschlagen, das Projekt Drewitz ins Leere laufen zu lassen“, sagte Brandhorst. Auch die erwogene Übernahme der insolventen Lausitzer Glashütte AG in Döbern (Spree-Neiße) sowie ein geplanter Zehn-Millionen-Euro-Förderfonds in der Region seien vom Tisch. Brandhorst bestätigte damit einen Bericht des Bielefelder „Westfalen-Blattes“ vom selben Tag.

Das Drewitz-Projekt war Mitte September in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekanntgeworden war, dass Brandhorst kurz zuvor eine elfmonatige Haftstrafe wegen Betruges verbüßt hatte. Er selbst hatte von Steuerhinterziehung gesprochen.

Der Kaufpreis für den Flugplatz in Höhe von zwei Millionen Euro sollte bis 30. September überwiesen sein. Bis Dienstagnachmittag sei das Geld noch nicht eingetroffen, sagte Landrat Dieter Friese (SPD). „Wir haben einen rechtsgültigen Vertrag und halten uns daran“, betonte er. Investor Dieter Stührenberg war für Auskünfte vorerst nicht erreichbar. Der 46-jährige Westfale Brandhorst hatte den Kaufvertrag mit den kommunalen Gesellschaftern der Flughafen Süd-Brandenburg-Cottbus GmbH am 4. August in Guben (Spree-Neiße) unterzeichnet.

Die Flugplatzgesellschaft erwirtschaftet nach Angaben von Friese jährlich ein Defizit von 460 000 Euro. Nachdem vor zwei Jahren der Verkauf des Flugplatzes an US-Investoren geplatzt war, habe man weltweit nach Käufern gesucht und nur die Stührenberg Holding als Interessenten gefunden. „Wir haben keinen Einfluss darauf, wen das Unternehmen als Verbindungspartner zu uns schickt und können auch kein Führungszeugnis von dem Mann verlangen“, bemerkte Friese.

Brandhorst war zudem nach einem "RUNDSCHAU"-Bericht vom Montag bereits 2003 vom Landgericht Hamburg wegen Untreue in 90 Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt worden (Az: 603 Kls 4/03). Das Landgericht war am Dienstag auf dpa-Anfrage vorerst nicht erreichbar.

Drewitz sollte zu einem Standort für die Luftfahrtindustrie ausgebaut werden, wo große Passagiermaschinen von Boeing und Airbus in neuen Hallen gewartet und repariert sowie Kunststoffe entwickelt werden sollten. Das Projekt werde dort nun möglicherweise nur für kleinere Maschinen realisiert, aber ohne den Neubau von Hallen, berichtete Brandhorst. Das hänge von den weiteren Gesprächen der Stührenberg Holding mit Investoren ab. Er habe dem Unternehmen aber bereits drei andere Flugplatzstandorte empfohlen.