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| 02:46 Uhr

Flugplatz Drewitz am Ende

Im Jahr 2002 mit viel Hoffnung auf Charterflüge eröffnet, aber nie wirklich genutzt: das über eine Million Euro teure Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude in Drewitz
Im Jahr 2002 mit viel Hoffnung auf Charterflüge eröffnet, aber nie wirklich genutzt: das über eine Million Euro teure Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude in Drewitz FOTO: Frank Hilbert
Forst. Im Juli hatte die Flacks Group als Eigentümerin des Flugplatzes in Drewitz selbst Insolvenz angemeldet. Jetzt wurde das Verfahren eröffnet. Die beantragte Eigenverwaltung der Gesellschafter wird es jedoch nicht geben. Simone Wendler

Am Montag war Insolvenzverwalter Udo Feser auf dem Flugplatz Drewitz im Spree-Neiße-Kreis zu Besuch. Er brachte keine guten Nachrichten mit, sondern die Kündigungen für die neun Mitarbeiter der Flughafen Süd-Brandenburg-Cottbus GmbH. Die meisten wurden sofort freigestellt. Denn das Amtsgericht Cottbus hatte kurz vorher die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Flughafengesellschaft beschlossen. Die Kassen dort sind leer.

Rechtsanwalt Feser hatte seit Juli als vorläufiger Verwalter im Auftrag des Gerichtes die Bücher geprüft und alle Zahlungsvorgänge überwacht. Was er an das Gericht berichtete, reichte offenbar aus, dass ein Antrag der Eigentümer, die Insolvenz in Eigenverwaltung abzuwickeln, keinen Erfolg hatte. Rechtsanwalt Christian Köhler-Ma, Bevollmächtigter der Flacks Group, will sich noch nicht festlegen, ob er gegen diese Entscheidung Beschwerde einlegen will: "Das ist noch offen."

Mit dem Beschluss des Amtsgerichtes Cottbus hat nun Insolvenzverwalter Udo Feser allein das Sagen auf dem Platz. Er versichert, dass der Flugbetrieb für kleine Maschinen weiter aufrechterhalten werden soll, damit Lizenzen nicht verfallen. Über mögliche Gründe, warum das Amtsgericht Cottbus die Eigenverwaltung der Insolvenz abgelehnt hat, will Feser nicht viel sagen. Es gebe Hinweise auf Unstimmigkeiten, die durch die Firma bisher nicht aufgeklärt wurden. "Diese Aufklärung kann aber noch erfolgen", fügt der Anwalt hinzu.

Nach RUNDSCHAU-Informationen soll es bisher keinen lückenlosen Nachweis für den Verbleib von rund eineinhalb Millionen Euro geben, die unmittelbar nach dem Verkauf der Flugplatzgesellschaft durch den Spree-Neiße-Kreis und andere Kommunen im Juni 2014 noch auf Firmenkonten lagen. Auch Buchungen auf einem "Verrechnungskonto" sollen noch nicht vollständig geklärt sein. Die Flacks-Group hatte die Flugplatzgesellschaft vor einem Jahr für eine Million Euro aus kommunaler Hand gekauft.

Rechtsanwalt Köhler-Ma, der die Flacks Group vertritt, verweist dagegen darauf, dass nur rund 40 000 Euro offene Rechnungen bei Lieferanten bisher als unstrittige Forderungen im Raum stehen. Und Gelder auf den Firmenkonten seien beim Verkauf nicht mit einer Zweckbindung versehen gewesen.

Er erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die früheren kommunalen Eigentümer des Flugplatzes. "Die Start- und Landebahn war in einem viel schlechteren Zustand als dargestellt." Für eine Sanierung der Piste werden inzwischen zehn Millionen Euro für nötig erachtet.

Die Idee, in Drewitz ein Logistikzentrum zu errichten, so Köhler-Ma, sei auch daran gescheitert, dass es plötzlich beim Kreis Lärmbedenken gegen einen Ausbau des Platzes gegeben hätte. Mit Planungsleistungen dafür sei schon begonnen worden.

Carsten Billing, parteiloser Finanzdezernent des Spree-Neiße-Kreises, weist jeden Vorwurf der Täuschung zurück: "Wir haben den Verkauf mit großer Sorgfalt vorbereitet." Alle relevanten Daten, auch über das Anlagevermögen der Gesellschaft, hätten den Käufern vorgelegen.

Die Insolvenz des Drewitzer Flugplatzes, die vermutlich in kurzer Zeit auch das Ende des Flugbetriebes dort bedeuten wird, ist der Schlusspunkt eines langen Niedergangs. Erst vor gut einem Jahr war der Platz aus kommunaler Hand an die neuen Eigentümer, die in den USA leben, verkauft worden. Jahrelang hatten der Spree-Neiße-Kreis und die drei anderen kommunalen Gesellschafter händeringend nach einem Käufer für die regionale Flugpiste gesucht, um die jährlich notwendigen Zuschüsse von 300 000 Euro loszuwerden. Mehrere vermeintliche Interessenten stellten sich als nicht vertrauenswürdig oder finanzschwach heraus.

Was nun aus dem Platz werden könnte, ist völlig ungewiss. Insolvenzverwalter Udo Feser will in den nächsten Tagen mit dem Spree-Neiße-Kreis darüber sprechen. Finanzdezernent Billing sagt: "Wir haben natürlich als Kreis ein Interesse, dass der Platz für eine wirtschaftliche Nutzung offen bleibt."

Im Kaufvertrag der Kommunen mit der Flacks Group steht eine Klausel für eine Rückübertragung an die Kommunen. Der Spree-Neiße-Kreis zumindest, das macht Billing deutlich, hat jedoch kein Interesse daran, wieder Eigentümer zu werden.

Zum Thema:
Der Spree-Neiße-Kreis, die Stadt Guben, das Amt Peitz und die Gemeinde Schenkendöbern waren langjährige Gesellschafter des Drewitzer Flugplatzes. Es gab hochfliegende Pläne, die ehemalige Militärpiste zu einem Regionalflugplatz zu entwickeln, der schwarze Zahlen schreibt.Wie nahezu alle Verkehrs-und Sonderlandeplätze in Ostdeutschland, kam auch Drewitz nie aus der Verlustzone. Insgesamt wurden dort mehrere Millionen Euro versenkt.