Die Anzahl der zu erwartenden Flüchtlinge nimmt Woche für Woche zu. Brandenburg erwartet bis Jahresende 24 650 Menschen, Sachsen 40 800. Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) sagte gegenüber dem Tagesspiegel, er schließe bundesweit die Zahl von einer Million Flüchtlingen in diesem Jahr nicht aus. Derzeit geht der Bund von 800 000 aus.

Unterdessen warnen die ostdeutschen Ministerpräsidenten angesichts der steigenden Zahl fremdenfeindlicher Übergriffe davor, ihre Bundesländer an den Pranger zu stellen. Man sollte sich davor hüten, "hier vorschnell von einem ostdeutschen Phänomen zu sprechen", sagte Woidke der "Welt am Sonntag".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach von einer "Herausforderung für das ganze Land und die Gesellschaft" und verlangte bundesweite Anstrengungen gegen rechte Gewalt.

Unterdessen wurde bekannt, dass Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) Mitte der Woche einen Drohbrief erhalten hat. Zum Inhalt sagte er nichts. "Das ist nichts, was mich sonderlich beeindruckt", so Opitz, der sich für die Flüchtlinge in seiner Stadt stark macht. In Heidenau war es an mehreren Tagen zu Übergriffen gegen das dortige Flüchtlingsheim gekommen.

Woidke, derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidenten-Konferenz der Länder, regte eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Unterbringungskosten der Flüchtlinge an. Bislang seien es nur fünf Prozent, sagte er. Es müssten jedoch pro Monat 1000 Euro pro Asylbewerber sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Sonntag für eine schnelle Integration anerkannter Flüchtlinge ausgesprochen - und für eine rasche Abschiebung abgelehnter Asylbewerber.