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| 01:32 Uhr

Flüchtlingsstrom aus Tunesien ebbt ab

Lampedusa/Berlin/Wien. . Der Exodus aus Tunesien in Richtung der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa scheint gestoppt, dafür stehen Italien und Europa noch vor vielen Problemen. Von Katie Kahle



So war die Situation auf der kleinen Felsinsel südlich von Sizilien auch am Mittwoch weiter angespannt. “Wir stehen vor dem Kollaps„, sagte der Bürgermeister der Insel, Dino de Rubeis. Lampedusa sei überflutet von Immigranten.

Auch die Leiterin des italienischen UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), Laura Boldrini, warnte, “den seidenen Faden nicht zu überspannen„. Die EU hielt ihre Hilfeangebote an Italien aufrecht, doch zur eventuellen Aufnahme der Migranten gab es ein Nein aus Wien und Berlin. Auf der nur 4500 Einwohner zählenden Insel befanden sich auch am Mittwoch noch 1800 Tunesier. “Bisher hat es keine Probleme gegeben, aber lange können wir nicht mehr so weitermachen„, sagte De Rubeis. Das Auffanglager, in dem die Flüchtlinge untergebracht sind, ist für nur 800 Menschen konzipiert. Und auch wenn die Immigranten sich auf der Insel frei bewegen dürften, bleibe die Situation explosiv.

Mehrere Flüge, die 400 Immigranten im Laufe des Tages zu anderen Flüchtlingszentren in Italien bringen sollten, waren zuvor aus nicht genannten Gründen abgesagt worden.

Im Hinblick auf Lampedusa kündigte der zum Notstandskommissar ernannte Präfekt von Palermo, Giuseppe Caruso, einen Plan zum weiteren Vorgehen bis spätestens Freitag an.

Die EU hatte am Dienstag auf die italienischen Hilferufe reagiert und Gelder sowie Grenzschützer zugesagt. Österreich teilte am Mittwoch mit, es werde seinem Nachbarn keine Migranten abnehmen. “Wir sehen derzeit keine Veranlassung, tunesische Flüchtlinge aufzunehmen„, teilte das Innenministerium in Wien mit. Das Dublin-Abkommen sei weiterhin gültig, hieß es.

Dieses besagt, dass jener EU-Staat, in dem ein Einwanderer den Erstantrag stellt, auch für das Asylverfahren zuständig ist. In Berlin erteilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Forderungen von Grünen, Linke und SPD nach einer verstärkten Aufnahme tunesischer Flüchtlinge eine Absage. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, Deutschland schotte sich ab. “Wir können nicht die Probleme der ganzen Welt lösen„, sagte er im ZDF.

Zum Thema:

Nach den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten regt sich nun auch in Libyen Protest. In der Stadt Bengasi, wo viele Gegner von Staatschef Muammar al-Gaddafi leben, wurden bei Zusammenstößen zwischen Regimegegnern, Polizisten und Gaddafi-Anhängern 38 Menschen verletzt. Im Jemen wurden bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Gegnern von Präsident Ali Abdullah Salih ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt. Die Studenten riefen bei Protesten: “Oh Ali, geh weg, so wie Mubarak!„