Horst Seehofer. Er sorgt mit seinen Forderungen nach Begrenzung des Zustroms für den größten Stress. Möglich, aber eher unwahrscheinlich ist, dass der CSU-Chef in letzter Konsequenz seine drei Minister aus dem Kabinett abzieht und die Zusammenarbeit aufkündigt, wenn Merkel ihn weiter abblitzen lässt. Rechnerisch ist das für die Kanzlerin kein Problem: CDU und SPD kämen noch auf genügend Stimmen im Bundestag. Aber parteipolitisch wäre es eine Katastrophe. Irgendwann muss auch Seehofer sagen, welche schnellen Lösungen ihm vorschweben. Vielleicht beim Koalitionsgipfel?

Angela Merkel. Die Kanzlerin wirkt mal wieder stressfrei. Dabei geht es in den Umfragen bergab. Für Merkel steht viel auf dem Spiel. Vielleicht sogar ihre Kanzlerschaft. Die Drohungen Seehofers hat sie bisher abprallen lassen. Aber spätestens seit der letzten Unionsfraktionssitzung, in der ihr Kurs heftig kritisiert worden ist, wird sie wissen, dass Seehofer auch in der CDU erheblichen Beifall findet. Die Kanzlerin mahnt zwar zur Geduld, sie will die Probleme europäisch lösen. Doch das allein dürfte nicht mehr reichen. Beim Koalitionsgipfel muss sie ein Zeichen setzen.

Sigmar Gabriel. Er verfolgt den Stress der anderen. Das Flüchtlingsthema hat er zu seinem gemacht - just, als die Zweifel an ihm wuchsen. Jetzt wittert er seine Chance. Erstmals seit Jahren keimt in der SPD wieder Hoffnung auf, dass Merkel 2017 nicht unbesiegbar ist. "Natürlich will ich Bundeskanzler werden, wenn die SPD mich aufstellen will", hat Gabriel gestern gesagt. Warum ausgerechnet jetzt? Aus typischem Übermut? Als Vizekanzler kann er jedenfalls nicht so tun, als ob die Probleme nicht auch seine wären.

Thomas de Maizière. Der CDU-Innenminister hat viel Stress gehabt, weil er zunächst indisponiert wirkte. Jetzt hat er seine Rolle gefunden - deutlich schärfer im Ton, würde er wohl einen härteren Kurs gegen die Flüchtlinge einschlagen. In der Fraktion hört man das gerne. Auch auf Konfrontation zu Merkel ist er gegangen. Sollte es am Wochenende beim Gipfel darum gehen, die Grenzen zu schließen, würde de Maizière wohl nicht Nein sagen. Am Mittwoch kritisierte er das Verhalten Österreichs scharf.

Wolfgang Schäuble. Der Finanzminister ruht äußerlich in sich selbst. Auch er scheint sich klarere Maßnahmen zu wünschen, um den Ansturm einzuschränken. Nur welche? Schäuble ist weitgehend loyal gegenüber Merkel - aber das Unions-Urgestein weiß genau, wann er sich mit wenigen Worten distanzieren muss. In Berlin wurde unlängst spekuliert, er stünde bereit, wenn Merkel über die Flüchtlingskrise falle.

Peter Altmaier. Der Kanzleramtschef hat den anstrengendsten Job im Regierungsapparat, zumal er jetzt auch noch Flüchtlingskoordinator mit eigener Stabsstelle ist. Noch lässt sich nicht sagen, wie erfolgreich Altmaier als Koordinator arbeitet. Seine Rolle sieht er offenbar auch darin, die Politik Merkels möglichst überzeugend zu verkaufen. Altmaier ist im Offensivstress.

Gerda Hasselfeldt. Die Stressfaktoren der CSU-Landesgruppenchefin finden sich in München und Berlin. Sie heißen Horst Seehofer und Angela Merkel. Einerseits muss Hasselfeldt häufig die Eskapaden ihres Parteichefs ausbügeln - am Mittwoch betonte sie, die CSU werde auch weiter in der Regierung bleiben. Zugleich darf sie aber nicht zu wohlwollend gegenüber dem Kurs der Kanzlerin auftreten. Ein stressiger Spagat.

Heiko Maas. Der SPD-Justizminister hat in der Flüchtlingskrise seine Rolle gefunden. Er ist derjenige, der sich am schärfsten und am häufigsten gegen Pegida & Co. positioniert. Er hat der Hetze vor allem im Netz den Kampf angesagt, mit welchen Mitteln er den führen will, ist freilich offen. Maas im Lieferstress.