Flüchtlinge, Brexit, Wirtschaftsfragen: es war ein schweres Menü, das Angela Merkel und François Hollande am Sonntagabend zu verdauen hatten. Die Bundeskanzlerin und der französische Präsident trafen sich auf Initiative von Europaparlamentspräsident Martin Schulz in Straßburg. Zuerst unter vier Augen in der Präfektur und dann zu dritt in einer typisch elsässischen "Winstub", dem "Pont Corbeau".

Wichtigstes Thema des informellen Treffens sollte zehn Tage vor dem EU-Gipfel in Brüssel die Flüchtlingsfrage sein. "Kurzfristig sind die Flüchtlinge die Priorität", sagte ein französischer Diplomat vor dem Treffen. Für Deutschland sei die Lösung des Problems eine "Überlebensfrage".

Die beiden Innenminister Thomas de Maizière und Bernard Cazeneuve waren deshalb zusammen vergangene Woche in Griechenland zu Besuch gewesen. De Maizière kündigte dabei die Entsendung von hundert Polizeibeamten und zwei Küstenbooten in die Ägäis an. Cazeneuve bot seinerseits an, Experten zu schicken, die bei der Erfassung der Flüchtlinge in den Hotspots helfen. Frankreich hat ein besonderes Interesse an der Registrierung der Flüchtlinge, waren doch zwei der Attentäter von Paris mit falschen Pässen als Flüchtlinge getarnt über die griechische Insel Leros eingereist.

Das Schengen-System des freien Grenzverkehrs wollen Merkel und Hollande um jeden Preis verteidigen. Die Denkfabrik der französischen Regierung France Strategie hatte Kosten von 110 Milliarden Euro errechnet, wenn wieder Grenzkontrollen in Europa eingeführt werden sollten.

Merkel und Hollande stehen unter Zeitdruck, denn am 18. und 19. Februar kommt beim EU-Gipfel in Brüssel die Flüchtlingskrise als Thema auf den Tisch. Eine "Zäsur" müsse das Treffen sein, forderte am Sonntag die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Julia Klöckner. "Spätestens dann müssen wir entscheiden, wo es langgeht", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". Der Gipfel soll sich auch mit dem geplanten Referendum der Briten über einen Verbleib in der EU oder den Austritt, den "Brexit", befassen.

Auf dem Tisch liegt ein Reformpaket von EU-Ratspräsident Donald Tusk, das den Briten weit entgegenkommt. Nun müsse Kapitel für Kapitel einzeln durchgesprochen werden, hieß es von französischen Diplomaten. "Das wird etwas mühsam sein."

Merkel und Hollande trafen sich zum zweiten Mal zum Abendessen in Straßburg mit Schulz. Der Sozialdemokrat hatte vor gut einem Jahr die Initiative ergriffen, um die deutsch-französische Zusammenarbeit voranzubringen. Dass Deutschland und Frankreich angesichts der Krisen zusammenstehen müssen, ist auch Merkel und Hollande klar. "Um zu überleben, ist Zusammenhalt das Mindeste", schrieb die Zeitung "Le Monde" angesichts der schwierigen Lage der beiden Politiker.