Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) ist von den nach Brandenburg kommenden Flüchtlingskindern positiv beeindruckt. "Die Schulen sind sehr angetan von dem, was die Schüler leisten, wenn sie erst die deutsche Sprache gelernt haben", sagte Baaske. "Das sind Charaktere, die man mit nach Hause nehmen kann - manch einer wünscht sich so etwas als Schwiegersohn." Er rechne damit, dass auch einheimische Schüler von der Leistungsbereitschaft der Flüchtlingskinder mitgerissen werden. "Ich setze darauf, dass das einen positiven Auftrieb an märkischen Schulen gibt."

Baaske zufolge sind bis zum 30. September in Brandenburg insgesamt 4000 Kinder unter 18 Jahren als Flüchtlinge regis triert worden. Die meisten davon seien im Schulsystem gelandet: Mittlerweile gebe es an Brandenburger Schulen 470 Fördergruppen. Zudem habe das Ministerium 337 Möglichkeiten zur Einstellung von Lehrern geschaffen. "Absolute Mangelware sind im Moment Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache (DaF) unterrichten können", so Baaske. Dies gehe so weit, dass selbst Dozenten fehlten, die angehende DaF-Lehrer unterrichten könnten. Am gestrigen Montag fand im Potsdamer Bildungsministerium zudem ein Gespräch zwischen dem Ministerium und den Trägern der freien Schulen in Brandenburg statt.

Zwischen ihnen und dem Bildungsministerium gab es in den vergangenen Monaten Streit um den Unterricht für Flüchtlingskinder. "Es gibt schon heute Flüchtlingskinder an freien Schulen", sagte Baaske. Zudem könne man die freien Schulen nicht einfach mit den staatlichen Schulen gleichstellen. Dies würde gegen die Freiheit der Schulen in freier Trägerschaft verstoßen, selbst auswählen zu dürfen, welche Schüler sie aufnehmen. "Und dann ist es ja mitunter auch so, dass unsere eigenen Vorbereitungskurse an staatlichen Schulen noch nicht voll sind", sagte Baaske. Am Montag fand dazu ein Gespräch zwischen den Schulträgern und dem Ministerium statt, über dessen Ergebnisse die Beteiligten am heutigen Dienstag berichten wollen.

Indes gab das Potsdamer Justizministerium bekannt, wegen der gestiegenen Zahl von Asylverfahren 32 neue Stellen in der Justiz schaffen zu wollen. Und der Vorstand der Brandenburger SPD beriet am Montagabend einen Antrag für den Ende November bevorstehenden Landesparteitag, in dessen Zentrum ebenfalls die Integration von Flüchtlingskindern stand. In dem der RUNDSCHAU vorliegenden Entwurf spricht sich die Partei für einen Aktionsplan Bildung aus, in dessen Rahmen unter anderem mehr Eltern-Kind-Gruppen und Vorlesepaten in den Kitas und eine bessere Berufsorientierung an den Schulen gefordert werden. Zudem sprechen sich die Brandenburger Sozialdemokraten auch für eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge in Europa aus. Flüchtlinge, die kein Recht auf Aufenthalt erhielten, müssten zügig abgeschoben werden. An die Adresse der Bundesregierung richten sie die Forderung nach einer dauerhaften Entlastung von Ländern und Kommunen von den Kosten der Integration der Flüchtlinge.