Die Bundesländer rechnen mit deutlich höheren Asylbewerberzahlen als angenommen und verlangen vom Bund für ihre Planungen realistische Prognosen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geht bislang von rund 300 000 Asylanträgen aus - 2014 waren es 202 000. "Aufgrund unserer Erfahrung wird die Zahl in diesem Jahr wohl angesichts der weltweiten Krisen deutlicher steigen", sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) der "Welt am Sonntag". Im Januar und Februar gingen bundesweit 52 000 Asylanträge ein.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) hatte eine konkrete Prognose genannt: "Wenn wir unsere Zahlen hochrechnen, müssen wir 2015 in Deutschland mit 500 000 bis 550 000 neuen Asylbewerbern rechnen (. . .)." Laut "Welt am Sonntag" haben sich Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein und Brandenburg beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für eine Anhebung der Prognose ausgesprochen. Dieses lehnt eine Korrektur derzeit aber ab. Man halte eine Anpassung für verfrüht. Die Entwicklung der Asylantragszahlen werde jedoch genau beobachtet. Eine Korrektur sei daher "durchaus möglich".

Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen forderte Brandenburgs Landeschef Dietmar Woidke (SPD) vom Bund mehr Geld. Die Asyl- und Flüchtlingspolitik sei wichtigster Tagesordnungspunkt der Konferenz der Ministerpräsidenten am kommenden Donnerstag in Berlin, sagte Woidke am Sonntag. Derzeit hat er den Vorsitz inne. "Seit der letzten Konferenz im Dezember hat sich die Situation zugespitzt", betonte er. Im Januar und Februar seien deutlich mehr Flüchtlinge und Asylsuchende gekommen als prognostiziert. Woidke: "Wir haben es mit einer gesamtstaatlichen Herausforderung zu tun." Kommentar Seite 2