Dies teilte die Behörde gestern den Kreisen in einem Schreiben mit. Man rechne indes damit, dass die für Ende August erwartete Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Zahlen noch einmal nach oben korrigiere, heißt es dort. In diesem Jahr sind fast 15 000 Asylbewerber in Sachsen aufgenommen worden - allein im Juli waren es 4000. Um die Menge an Verfahren zu bearbeiten, sollen in Sachsen zwei weitere Ausländerbehörden eingerichtet werden. Neben der bislang einzigen in Chemnitz sei eine Außenstelle in Leipzig geplant, kündigte der Präsident der Landesdirektion, Dietrich Gökelmann, am Montag in Dresden an. Eine weitere Einrichtung in Dresden sei angedacht, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU). Bislang muss jeder einzelne Asylbewerber die Chemnitzer Behörde aufsuchen, damit sein Verfahren anläuft. Die Landesdirektion, die die Unterbringung der Menschen koordiniert, hat in den vergangenen Wochen mehrere Interims-Unterkünfte eingerichtet, so in Meißen, Grillenburg und Dresden. Das reicht indes noch nicht. Gestern wurden deshalb Turnhallen der TU Dresden für die Unterbringung frei gemacht. Diese 200 Neuankömmlinge versorgt das Rote Kreuz.

Anfang August geht in Leipzig eine Einrichtung mit mehr als 400 Plätzen ans Netz. Angedacht ist zudem das Wohnheim der Verwaltungsfachhochschule Meißen als Herberge, ebenso wie leerstehende Kasernen der Bundeswehr.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kündigte unterdessen am Abend in einem Interview des MDR-"Sachsenspiegel" an, dass der Freistaat ein zentrales Abschiebecamp für Flüchtlinge einrichten wolle, die kaum Chancen auf Asyl haben. Das Wort Abschiebecamp vermied er genau wie zuvor Innenminister Markus Ulbig (CDU). Der hatte nach einem Besuch des Zeltlagers für Flüchtlinge in Dresden einem entsprechenden Vorschlag von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zugestimmt.

Tillich erinnerte daran, dass die Bundesregierung die Länder aufgefordert habe, solche Einrichtungen zu schaffen: "Der Bund hat von vier Einrichtungen bundesweit gesprochen, die er selbst schaffen will, und die Länder aufgefordert, das Gleiche in ihren Ländern zu tun - dem folgen wir." In solchen Einrichtungen könnten Asylverfahren schnell bearbeitet und Abschiebungen organisiert werden, fügte er hinzu.