Mit gesenktem Kopf hockt er sich auf die Anklagebank im Landgericht Cottbus. Seit viereinhalb Monaten sitzt er in Untersuchungshaft. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er im Gefängnis. Dorthin zurück will Danek nicht mehr.
Muss er auch nicht, wenn er künftig seine Finger vom illegalen Zigarettenhandel lässt. Das Gericht zeigt sich milde, verhängt gegen den 20-Jährigen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen gewerbsmäßiger Steuerhehlerei und Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Es folgt damit dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.
Danek hat die Taten gestanden. Er habe mit dem Zigarettenhandel schnell Geld verdienen wollen. Ein paar Monate lief es mit dem kriminellen Geschäft auch ganz gut. Im Mai dieses Jahres aber griffen die Fahnder zu. Sie zerschlugen eine polnische Gruppierung, die Glimmstängel billig in der Ukraine orderte und sie über die Grenze in Frankfurt (Oder) und zuletzt in Gubinek nach Deutschland einschleusten. In Berlin warteten dann die Abnehmer der vietnamesischen Zigaretten-Mafia, auf die bestellte Ware. Acht Männer wurden festgenommen, darunter auch Danek. Alle kamen zunächst in U-Haft, sechs von ihnen sind inzwischen jeweils zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.
Irgendwann im Novem ber 2006, erzählt Danek, sei er angesprochen worden. „Ob er sich ein paar Zloty verdienen wolle?“ , wurde er gefragt. Alles sei ganz ungefährlich, er brauche nur über die Grenze zu fahren und zu gucken, ob es ruhig sei am Kontrollpunkt und im Hinterland, beschreibt er sein Hineinrutschen in die Schmugglergruppe.
Danek konnte und wollte nicht widerstehen. Mit der Bäckerlehre lief es nicht richtig und zu Hause war das Geld knapp. Schließlich muss die Mutter mit der Sozialhilfe ihn und noch fünf jüngere Geschwister durchbringen.
Insgesamt 27-mal war Danek gut ein halbes Jahr lang als „Pilot“ auf Schmuggeltour. „Piloten“ sind jene Bandenmitglieder, die als Spähtrupps den Lieferautos mit den illegalen Zigaretten in doppelten Böden, in Trennwänden oder unter Sitzen vorausfahren. Für jede Fahrt habe er 150 Zloty (knapp 40 Euro) erhalten, sagt der Angeklagte.
Mindestens 3,5 Millionen Zigaretten, so hat Dieter Pichi vom Hauptzollamt in Frankfurt (Oder) gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft ermittelt, sind vom November 2006 bis Mai 2007 unverzollt und unversteuert nach Deutschland geschleust worden. Etwa 650 000 Euro Schaden sind der Bundesrepublik durch hinterzogene Tabaksteuer entstanden, hat Pichi ausgerechnet. Hinzu kommt ein fünfstelliger Betrag in Polen für nicht gezahlten Zoll bei der Einfuhr der Glimmstängel aus der Ukraine.
Das wird Danek und die anderen Mitgliedern der polnischen Schmugglergruppe noch lange teuer zu stehen kommen. Sie haften nämlich für den Schaden. „Seit der EU-Osterweiterung werden hinterzogene Steuern von den Betroffenen auch in Polen eingetrieben“ , sagt Pichi.