In der Augustusburger Straße, die den Ort von Norden nach Süden durchzieht, kann man die nicht frisch verputzten Häuser an einer Hand abzählen und auch fast alle Ladengeschäfte sind wiederbelebt. Die von den Flüssen Zschopau und Flöha überschwemmten Wohngebiete zeigen keine äußeren Spuren der Wasser- und Schlammmassen mehr.
Hinter dem Deich am Unterlauf der Flöha stehen die Kleingärten in voller Blüte - Vögel singen, Rentner werkeln. Doch die Ruhe trügt. Rund 100 Kilometer weiter im Böhmischen signalisierten die Flusspegel unlängst nach ergiebigen Regenfällen wieder Gefahr. Auch vor vier Jahren waren zuerst die Anwohner von Donau und Moldau betroffen. Das macht den Flöhaern Angst. Maria Metze, die in Flöha einen Kleingarten hat, meint: "Das Hochwasser kann jederzeit wiederkommen, die ganze Umwelt ist doch kaputt."
Ihr Mann, der gerade die Hecke schneidet, erinnert sich: "Unser Garten war trotz der Flussnähe nicht betroffen, aber in unserem Haus vorn in der Straße stand das Wasser 1,70 Meter hoch. Möbel, Schuhe, Lebensmittel - alles, was im Keller lagerte, war weg." Der 79-Jährige erregt sich noch vier Jahre nach der Katastrophe: "Niemand hat uns gewarnt. Der Oberbürgermeister hat damals eindeutig versagt." In diesem Frühjahr mit Warnstufe 3 habe es dann geklappt.

Nie wieder ans Wasser
Das Fazit von Maria Metze: "Ich würde nie wieder ans Wasser ziehen, nie wieder nach Flöha mit den beiden Flüssen." Im hohen Alter hat das Rentnerehepaar wie einen Klotz ein Haus am Bein, das nichts wert ist. Noch heute komme Wasser aus den Wänden und den Hohlräumen der Kunststofffensterrahmen. Die Versicherung sprang damals nicht ein, doch die Sächsische Aufbaubank habe schnell gezahlt. Allerdings durften die Metzes nicht ihren Sohn, einen arbeitslosen Bauarbeiter, bezahlen, sondern nur autorisierte Handwerker beauftragen.
Ein am Ufer spazierendes Ehepaar aus dem Nachbarort Erdmannsdorf freut sich derweil, dass das einst graue Flöha sich so herausgemacht hat. Doch hat Siegfried Lyon auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit manchen Tuns. So sei das Auenstadion für viele hunderttausend Euro wiedererrichtet, aber der Deich dahinter nicht erhöht worden. Beim Stichwort "Deiche" gerät Oberbürgermeister Friedrich Schlosser (CDU) in Fahrt. Ursprünglich habe dieses Jahr das Planfeststellungsverfahren für die Verstärkung des Hochwasserschutzes angestanden. Für 2007 habe sich die Stadt den Baubeginn erhofft. Nun habe die Landestalsperrenverwaltung (LTV) alles um ein Jahr verschoben. Er verstehe ja, dass Deicherhöhung und Mauerbau nur "aus einem Guss" und jeweils an beiden Ufern Sinn machten, aber wo es um größere Überflutungsräume gehe, könnte längst gehandelt w erden. "Die Kommune hat am südlichen Stadtrand 15 Hektar Land an der Zschopau erworben, dort könnte der Damm ohne Planfeststellungsverfahren problemlos nach hinten versetzt werden", so Schlosser.

Sehr komplexe Maßnahme
Die LTV indes sieht Flöha als Maßnahme von hoher Priorität, die aber außerordentlich komplex sei und deshalb umfangreicher Planungs- und Genehmigungsverfahren bedürfe. "Vom Grundsatz her wird der Hochwasserschutz von oben nach unten betrachtet, denn es nützt nichts, wenn ich mitten im Ort eine Mauer baue und oberhalb strömt es aus dem Gewässerbett in den Ort", erläutert eine LTV-Sprecherin. Insgesamt 9,5 Kilometer Schutzanlagen müssten erhöht oder neu gebaut werden, um einem Hochwasser, wie es statistisch einmal in 100 Jahren auftritt, standzuhalten.