Eines bietet Sina Bosch ihrem Weltmeister-Hund Flip immer gern an. Zwar kein Würstchen oder ein besonderes Leckerli - dafür aber tobt sie ausgiebig mit dem dreijährigen Border Collie. Erst seit wenigen Wochen trägt der Hund den Weltmeistertitel der Rettungshunde in der Kategorie Trümmersuche, errungen in Nova Gorica, Slowenien. Gleich mit ihrem ersten Hund hat die 28-Jährige den besonderen Erfolg erreicht, er hätte das Zeug zum Lebensretter.

Schon als sie den Welpen im Alter von acht Wochen bekommen hat, erkennt Bosch: Der ist klug, wissbegierig und braucht eine anspruchsvolle Aufgabe. "Einen Schoßhund wollte ich nie", sagt sie. Flip ist nun ein richtiger Sportler. Bei inszenierten Wettkämpfen rettet er vermisste Menschen aus Trümmerfeldern von Katastrophen. Er zeigt: Er beherrscht Kommandos und gibt mit Frauchen ein gutes Duo ab. Für den Sport ist die Veranlagung der Tiere entscheidend Spiel- und Beutetrieb, hohe Belastbarkeit und Zielstrebigkeit sind wichtig.

Bosch und Flip konzentrieren sich bislang allerdings nur auf den reinen Rettungshundesport, ohne echte Einsätze. "Um direkt bei Unglücken zu helfen, fehlt die Zeit", sagt die junge Frau, die an der Universität Potsdam promoviert. Die erforderlichen Lehrgänge für diese Aufgabe seien sehr aufwendig und die psychischen Belastungen nicht zu unterschätzen, betont sie.

Beim Bundesverband Rettungshunde geht es dagegen schon meist um reale Hilfe bei Unglücken. Etwa 80 Mitglieder mit rund 2500 Hunden können direkt für die Rettung von Leben eingesetzt werden, sagt Verbands-Sprecherin Christina Meier. Sie seien in Deutschland oder weltweit unterwegs. Die Rasse der Hunde sei dabei relativ egal. "Die Tiere dürfen nur nicht zu klein sein", betont Meier. Sie sollten jedoch bereits als Welpen auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Die Arbeit mit den Rettungshunden sei meist ehrenamtlich angelegt.

Flip trainiert - wie zu Beginn seiner Karriere - weiter in der Hundeschule Potsdam. Auf den Erfolg des vierbeinigen Sportlers ist man dort sehr stolz. Leiterin Juliane Lange sagt: "Hunde brauchen einen Job." Sie wollten nicht nur spielen. "Flip hat die besten Voraussetzungen", sagt sie. Dreimal in der Woche sind Flip und Sina auf dem Platz. "Eigentlich sind es aber 24 Stunden am Tag Training", sagt die 28-Jährige. Auch zu Hause drehe sich alles um den Sport.

Beiden ist anzumerken, dass sie eingespielt sind. Der Border Collie würdigt Zuschauer keines Blickes, wenn er mit seinem Frauchen unterwegs ist. Auf ein leises Signal hin läuft er fast Bein an Bein mit ihr. Seine Augen gehen immer wieder zu ihrem Gesicht in Erwartung einer neuen Aufgabe. Die klaren Kommandos verhalfen Flip bei der Weltmeisterschaft zum Sieg.

"Wichtig war unter anderem eine gute Taktik", sagt Bosch. Der Hundeführer müsse den Hund richtig "dirigieren". So musste Flip in einem Trümmerfeld drei vermisste Personen ausmachen. Er bellte so lange, bis sie die Person kontaktiert habe, sagt Bosch. "Flip hielt solange durch, bis ich vor Ort war", freut sich Bosch über den Erfolg. Im Wettkampf muss Flip auch normalen Kommandos wie "Sitz", "Platz" und "Fuß" folgen sowie apportieren. Auch das Laufen über eine horizontale Leiter ist für das Tier eine der Herausforderungen.

Welche Ziele haben die beiden Hundesportler jetzt? Sina Bosch und ihr Hund bereiten sich gerade auf die Deutsche Meisterschaft im Mai kommenden Jahres in Wiesbaden vor. Zur Belohnung bei einer guten Platzierung winkt Flip ein neuer Ball zum Spielen.

Zum Thema:
Alter: drei Jahre; Gewicht: 18 Kilogramm; Größe: 52 Zentimeter Schulterhöhe; Fressen: meist Trockenfutter, hin und wieder Schweineohr und etwas Frischfleisch; Lieblingsbeschäftigung: Spielen und Suchen Spielzeug: Beißwurst, Ball Frauchen: Sina Bosch, 28 Jahre, Linguistik-Doktorandin: Trainingsstätte: Hundeschule Potsdam; Wie oft auf dem Hundeplatz: mindestens dreimal in der Woche; Auszeichnung: Weltmeister der Rettungshunde in der Sparte Trümmersuche (2014); Ziel: Deutscher Meister