Immer wieder wird die Polizei in wilde Verfolgungsjagden mit mutmaßlichen Straftätern verwickelt. Erst am Montag wurde bei der Geisterfahrt eines Flüchtenden auf der A 15 der Fahrer eines entgegenkommenden Lkws schwer verletzt. Der flüchtige Raser verstarb noch am Unfallort.

Innenministerium und Polizei sprechen in solchen Fällen von Verfolgungsfahrten. Man jage die Straftäter nicht, so ein Sprecher.

Doch feste Regeln für solche Verfolgungsfahrten gibt es für die Beamten nicht.

"Sie entscheiden situationsbedingt nach eigenem Ermessen", erklärt Ines Filohn von der Polizeidirektion Süd Cottbus. Dafür seien die Beamten entsprechend geschult, wozu auch Fahrsicherheitstraining zählt. "Auch für die Polizei gilt die Straßenverkehrsordnung", so Filohn weiter. Wie Bundespolizei, Feuerwehren und der Zolldienst kann die Polizei aber Sonderrechte nutzen.

"Die Entscheidung, Sonderrechte im Rahmen einer Verfolgungsfahrt in Anspruch zu nehmen, trifft der verantwortliche Fahrzeugführer. Damit verbunden ist auch die Entscheidung, eine Verfolgungsfahrt abzubrechen", teilt das sächsische Innenministerium mit. Doch auch mit Sonderrechten darf die Polizei nicht alles. Bei Verfolgungsfahrten müssen die Beamten nicht nur ihre eigene Sicherheit, sondern auch die Gefahr für Unbeteiligte abwägen.

Trotz Schulungen und Fahrsicherheitstraining kommt es bei solchen Einsätzen immer wieder zu schweren Unfällen. In Waltersdorf (Dahme-Spreewald) verletzte 2012 ein betrunkener 31- Jähriger einen Polizisten, als er auf der Flucht in einem gestohlenen Auto dessen Streifenwagen mehrmals rammte.

Gleich 24 Streifenwagen nahmen im November 2013 die Verfolgung eines Autodiebes im Landkreis Görlitz auf. Der Einsatz endete glimpflich: Der 32-Jährige fuhr sich nach 30 Kilometern auf einer Wiese fest und konnte gestellt werden. Mehrere Lkw und Einsatzwagen der Polizei wurden im April 2014 beschädigt, als ein 52-Jähriger aus unbekannten Gründen vor den Blaulichtern Richtung polnische Grenze floh.

Im gleichen Zeitraum starben drei Männer bei einer Fahndungsaktion der Soko "Grenze" auf der A 12. Die Beamten hatten bei der Verfolgung von Autoschiebern einen Stau ausgelöst, an dessen Ende ein Unbeteiligter auf einen Lastwagen auffuhr. Ein weiterer Insasse des Unfallwagens sowie ein zu Fuß fliehender Autoschieber wurden lebensgefährlich verletzt. Fünf mutmaßliche Schieber festgenommen.

"Verfolgungsfahrten gehören nicht zum polizeilichen Alltag", stellt Andreas Schuster von der Gewerkschaft der Polizei Brandenburg (GdP) klar. Dennoch käme es gerade in der Grenzregion und im Zusammenhang mit Kfz-Diebstählen häufiger zu solchen Einsätzen.

Entscheidungen während Verfolgungsfahrten zu treffen, sei "extrem schwer", so der GdP-Landeschef weiter. Den jüngsten Fall prüfe nun die Staatsanwaltschaft. Schuster: "Nach ersten Erkenntnissen und den mir vorliegenden Fakten haben die Beamten richtig gehandelt."