Wenn ein Räuberhauptmann einen ganzen Park voll Tausender Menschen von einem ehrbaren Leben träumen lässt, kann das nur Theater sein. Mehr noch: Christian Henneberg bringt die Menschen Fahnen schwenkend zum Singen. Sage noch jemand, so einer mache die verschlungenen Wege unsicher. Dieser will die Leute auf den richtigen Weg bringen und lädt sie geradewegs ins Wirtshaus im Spessart ein, das am 14. November in der Ströbitzer Theaterscheune seine Pforten öffnet.

Die "Spanische Fliege", die am 9. Oktober zum Lachen verführen will, ist gerade ausgeflogen. Die Geigen des Duos Harmonie helfen darüber hinweg. Wie überhaupt die Luft flirrt von Musik, selbst das Instrument der Engel lockt an diesem sonnendurchfluteten Sonntag mit wundersamem Harfenspiel.

Und dort hinterm Schloss: Ist das mit der Plauze überm Hawaiihemd nicht der Schauspieler Gunnar Golkowski? Was Jason in "Mamma Medea" so alles aus ihm macht, kommt am 21. Januar nächsten Jahres so richtig ans Licht.

Am Schloss aber wird Ballett gemacht. Kinder der Tanzschule Werhun halten Peter Pan den Rücken frei. Allerdings muss er nicht nur tanzen können, sondern sich auch in der Fechtkunst beweisen. Am 27. November werden alle ab fünf ins Nimmerland entführt. Und dann, so hat es Intendant Martin Schüler schon verraten, wird Peter Pan sogar fliegen.

Ein Grund zum Fliegen hat auch Ballettchef Dirk Neumann. Es werde daran gearbeitet, dass das Ballett wieder eine eigene Sparte wird, hat Martin Schüller versichert.

Überraschungen ohne Ende. Was aber passiert da im Park zwischen den Säulen? Da thront die schöne Turandot (Sylvia Gdaniec). Um die Prinzessin herum geben Heiko Walter, Hardy Brachmann und Dirk Kleinke als Ping, Pang, Pong eine schöne Vorstellung davon ab, warum Minister am liebsten alles beim Alten lassen.

"Turandot. Wow. Schon die Musik hat mich magisch angezogen", schwärmt Angela-Ines Schottstädt. "Die Oper muss ich mir unbedingt im Staatstheater ansehen", sagt die Berlinerin, die zum ersten Mal Musik und Theater in Pücklers Park erlebt und ganz fasziniert davon ist. "Respekt. Es ist einfach genial, wie das Theater diesen Park in viele kleine Bühnen verwandelt. Eine fantastische Kulisse."

"Ich glaube, ich will meinen Hut aufessen", tönt es aus der Stadt Mahagonny, deren Aufstieg und Fall am 11. März zu erleben ist. Apropos Glauben. Den Auftakt zum Schauspiel-Motto dieser Spielzeit "Glauben, Lieben, Hoffen" gibt es schon am 7. Oktober mit einem musikalischen Familienfest voller Lieder. Heidrun Bartholomäus geht dafür gemeinsam mit Thomas Harms schon mal über Tisch und Stühle, um alle anzufeuern: "Come together!"

Und ob sie zusammenkommen, die Zuschauer. Denn dieser Sonntag voller Überraschungen wird gekrönt von einem fulminanten Abschlusskonzert, in dem auch das Philharmonische Orchester noch einmal Lust auf die neue Konzertsaison macht. Für Konzertmeister Florian Pop ist es das letzte Konzert vor dem Ruhestand. Er wird mit Blumen verabschiedet. Einen Sonderapplaus gibt es für Schauspieldirektor Mario Holetzeck, dessen Vertrag zum Spielzeitende ausläuft und nicht verlängert wurde.

Hier aber stiftet er mit seinen Schauspielern genuss- und gedankenvoll zum Spielen an. Wie auch die Musiker, Tänzer und Sänger. Noch auf dem Heimweg schwärmen alle von diesem Sonntag voller Spiellust. Auf den Schultern seines Vaters reitend, ruft ein Steppke: "Jetzt geht es weiter - das Theater!"