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| 17:31 Uhr

Flexworld sammelt auch in Polen Geld von Anlegern ein

Landgericht Cottbus
Landgericht Cottbus FOTO: Jan Augustin (LR-LBN-RED-101)
Cottbus. Die Internetfirma Flexworld Inc. war auch in Polen gut bekannt. Und hatte mit ihren Renditeofferten viele Anleger gewonnen. Das bestätigt Andrzej K. am Dienstag vor dem Landgericht Cottbus. Der Berliner wurde als Zeuge im Betrugsprozess gegen Gordon B. gehört. Christian Taubert

Auch während der siebenten Zeugenvernehmung im Betrugsprozess gegen Gordon B. zeigt der Angeklagte keine Regung. Weder ein zustimmendes Nicken noch ein Kopfschütteln - den 61-jährigen Herzberger lockt nichts aus der Reserve. Was Zeuge Andrzej K. am Dienstag vor dem Landgericht Cottbus zu Protokoll gibt, verfolgt der sich als unschuldig ansehende Angeklagte vielmehr mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er noch nie davon gehört.

Dabei schildert der 65-jährige gebürtige Pole, der in Berlin lebt, dass er für den Internetauftritt von Flexworld Texte ins Polnische übersetzt habe. Durch einen Bekannten sei er auf die Offerten der Internetfirma aufmerksam gemacht worden. Er habe auch Anteile (Flexis) der Firma erworben und war schließlich auf 450-Euro-Basis als Übersetzer für die Firma tätig gewesen. Nach Angaben des Zeugen seien Hunderte Networker aus Polen im Jahre 2007 zu einer Veranstaltung im Schlossambiente gekommen, um die Firmengründer und ihre Ziele kennenzulernen.

Andrzej K. habe hier das erste Mal Kontakt zu Gordon B. gehabt. Auf dieser Veranstaltung, so der Zeuge, sei auch eine Mine in Ruanda erwähnt worden, in die Flexworld mit dem Geld der Anleger investieren wollte. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Stefan Fiedler erläuterte der Zeuge, dass das Flexworld-Konto in Polen im Jahre 2008 per Gerichtsbeschluss gesperrt wurde. "Das hat die Leute in Polen nervös gemacht", sagt der Berliner. Deshalb hätten ihm polnische Anleger ein Flugticket nach Ruanda gekauft, damit er die Mine in Augenschein nehme.

"Mehr als 1000 Arbeiter haben dort täglich mit Hammer und Meißel Zinn abgebaut", schildert Andrzej K. Um jedoch effektiv zu arbeiten, hätten Millionen investiert werden müssen. Aus seiner Sicht sei die Erweiterung der Mine am fehlenden Geld aus Deutschland und Polen gescheitert.

In der Anklage hatte Oberstaatsanwältin Elvira Klein zum Prozessauftakt Gordon B. Betrug im besonders schweren Fall vorgeworfen. Er soll in der betrügerischen Absicht, Gelder von Anlegern und Kreditsuchenden für eigene Zwecke zu erhalten, die Auszahlung erheblicher Dividenden und Darlehensmittel versprochen, aber zum überwiegenden Teil nie eingehalten haben. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten sechs Monate bis zehn Jahre Gefängnis. Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt.

Zum Ende der Zeugenbefragung passiert es am Dienstag doch noch, dass der Angeklagte die Mundwinkel bewegt. Zeuge Andrzej K. verabschiedet sich von ihm per Händedruck. Gordon B. nickt mit weit geöffneten Augen mit dem Kopf.

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