Mit neuen Technologien stellt sich Vattenfall auf die Anforderungen der Energiewende ein. Kraftwerksbetreiber müssen sich schnell auf die Schwankungen im Strombedarf einstellen. Wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, ist die Einspeisung an erneuerbaren Energien höher. Problematisch wird ein stabiles Stromnetz jedoch bei Windflaute oder dichter Wolkendecke.

"Je nach Bedarf müssen unsere Anlagen daher schnell hoch- oder runtergefahren werden", erklärt Günter Heimann, Leiter für Kraftwerksmodernisierung und Effizienzsteigerung bei Vattenfall. Mit dem Einsatz einer Trockenbraunkohle (TBK) Anlage im Block F des Kraftwerkes Jänschwalde ist das möglich. Derzeit wird die Anlage in der letzten Testphase für den regulären Betrieb ab September vorbereitet.

Über eine elektrische Plasmazündung wird getrockneter Braunkohlenstaub entzündet. Das senkt die Mindestlast, reduziert Anfahrzeiten und -kosten. Gleichzeitig erfolgt die Gewinnung der Energie klimaschonender, weil ein zweiter Brennstoff - im Gegensatz zur bisherigen Ölfeuerung - nicht mehr notwendig ist. Der benötigte Braunkohlestaub kommt aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe. "Wenn es die Marktpreise und die Rahmenbedingungen zulassen, dann ist diese Technologie eine Zukunftsoption, um den Wirkungsgrad zu erhöhen und die Kohlenstoffdioxid-Emmisionen zu reduzieren", sagt Günter Heimann.

Die neue Technologie der Zünd- und Stützfeuerung wurde in Zusammenarbeit mit Siemens errichtet. Außerdem entwickelte das Unternehmen in Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz eine ölfreie Dampfturbine. Statt herkömmlicher ölgeschmierter Lager werden für diese Turbine luftgekühlte, elektromagnetische Lager verwendet. Der erste Probebetrieb einer solchen Anlage fand ebenfalls im Kraftwerk Jänschwalde statt. Seit Februar dieses Jahres arbeitet die ölfreie Turbine im regulären Volllastbetrieb.

Durch die Magnetlager schwebt der Rotor der Turbine förmlich. "Das verringert die Reibung und erhöht so die Effizienz um bis zu einem Prozent", erklärt Christian Grund, Projektleiter bei Siemens. Gleichzeitig ist das System durch die kontaktfreie Lagerung nahezu wartungsfrei.

Zusätzlich trägt die neue Technologie maßgeblich zum Brandschutz bei. Denn lediglich die Ventilantriebe benötigen für den Betrieb etwa zwei bis drei Liter Öl. Eine herkömmliche ölgelagerte Turbine hat dagegen einen Tank mit einem Fassungsvermögen von vier bis sechs Kubikmetern Öl verbaut.

Vattenfall investierte für die Inbetriebnahme der magnetgelagerten Dampfturbine und der TBK-Anlage 18 Millionen Euro in den Innovationsblock des Kraftwerks Jänschwalde.