Die Klänge der deutschen Nationalhymne und die Kulisse einer niedersächsischen Kleinstadt. Passt das zusammen?

Im "Tatort" bilden sie eine Einheit. Es ist schon dunkel, als sich die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) auf die Lauer legen, um zwei dunkelhäutige Männer dingfest zu machen, die mutmaßlich mit gefälschten Pässen handeln. Dann der Zugriff. Die Täter entkommen zunächst, schließlich verpasst einer von ihnen Katharina Lorenz einen Schlag in die Magengrube, bis Falke eintrifft und den Mann krankenhausreif schlägt - fast besinnungslos vor Wut.

Doch dann fängt der Krimi "Verbrannt", am morgigen Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen, erst richtig an. Auf der Polizeiwache werden die beiden Männer durchsucht. Der Griff in die Tüte mit der Dealerware ergibt: Es waren Fußballbilder! Peinliche Geschichte für die Bundespolizisten. Doch für die Asylbewerber bedeutet der harmlose Fund längst keine Freiheit. Der immer noch stark blutende Afrikaner wird in einer Zelle an Armen und Beinen gefesselt. Am frühen Morgen schlagen Flammen in der Zelle hoch, der Mann verbrennt, unter den wachhabenden Polizisten will keiner die Schuld tragen.

Unwirklich? In Deutschland unmöglich? Nein. Der neue "Tatort" nach dem Drehbuch von Stefan Kolditz beruht auf dem Fall von Oury Jalloh, der vor gut zehn Jahren in Dessau (Sachsen-Anhalt) in Polizeigewahrsam verbrannte. Noch heute wird unter Fachleuten, Freunden und Justizkritikern erregt über den Tod des Mannes diskutiert.

Im Film ermitteln praktischerweise gleich die Bundespolizisten, die zunächst die Observierung der Asylbewerber im Duldungsstatus übernommen hatten, gegen die Kleinstadt-Polizei. Falke, den nach seiner ersten Überreaktion ein schlechtes Gewissen umtreibt, will es wissen. Nur nicht der Revierleiter Werl (Werner Wölbern), der sich schützend vor seine Mannschaft stellt.