„Lernhaus“ steht an der Hausfassade, und auf der Klassentür im ersten Stock wünscht ein buntes Schild „Herzlich willkommen zum Einbürgerungskurs“. Die Atmosphäre erinnert ein wenig an den ersten Schultag – mit vertauschten Rollen, denn hier begleiten die Kinder ihre Eltern zum Unterricht. 20 Einbürgerungswillige aus zehn Ländern haben sich für den Pilotkurs angemeldet.
„Mit ihnen pauken wir nicht die 300 Testfragen, sondern vermitteln Grundwissen“, betont Michael Weiß, der den Kurs für die VHS konzipiert hat. Er hat die ungeordnet veröffentlichten Testfragen in sechs Themengebiete aufgeteilt. Am ersten Kurstag geht es um staatliche Symbole, später um Föderalismus oder das Grundgesetz. „Das habe ich im Internet schon vorgelernt“, verrät eine Kursteilnehmerin aus Kolumbien. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Freunde und Verwandte wissen nicht, dass sie sich einbürgern lässt. „Eigentlich könnte man den Test auch ohne Kurs bestehen“, sagt sie. Aus „Interesse, wie Deutschland funktioniert“ kommt sie dennoch. Statt der vorgesehenen drei Termine besucht die Südamerikanerin nur einmal in der Woche den Einbürgerungskurs. „Diese Option geben wir allen Teilnehmern, die schon Vorwissen mitbringen“, erklärt Weiß. So werden mit dem Pilotkurs gleich zwei Konzepte getestet: ein 60- und ein 20-stündiges. „Zwei Drittel der Kursteilnehmer kommen wahrscheinlich mit dem kürzeren Kurs aus“, vermutet Weiß. Einmal in der Woche werde Grundwissen vermittelt, an zwei weiteren Terminen intensiviert. Nach dem fünfwöchigen Pilotprojekt wollen die Berliner Volkshochschulen zusammen ein Konzept erarbeiten.
Bisher kostet der Vorbereitungskurs 30 Euro. „Wenn wir einen regulären 60-stündigen Kurs daraus machen, müssten die Teilnehmer mehr als 100 Euro aus der eigenen Tasche zahlen“, kündigt Weiß an. Fragwürdig sei, wie viele dann noch kämen. „Auch deshalb wollen wir den 20-stündigen Crashkurs für circa 40 Euro anbieten“, sagt er. Für einen Großteil der Kursteilnehmer werde der Kurzkurs ausreichen. „Die meisten sind Leute mit Bildungsbewusstsein, die einfach nur sicher gehen wollen.“
Eine Anleitung zu Test- und Lernstrategien hält Weiß dennoch für sinnvoll. „Für uns mag der Test einfach erscheinen. Aber für welches andere Land könnten Sie diese Fragen beantworten?“, betont er. Die deutschen Symbole, Flagge, Wappentier und Hymne, finden die Kursteilnehmer in Berlin noch „ziemlich einfach“. Mit Geschichtsfragen, so befürchten die meisten, werden sie mehr Probleme haben.
Kursleiterin Petra Voss kann die Zweifler beruhigen: „Die Teilnehmer haben erstaunlich viel Vorwissen. Ich bin sicher, dass alle den Test schaffen können.“ Und Schwarz-Rot-Gold und den Adler, das wissen dann doch die meisten schon vorher.