Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag. Seit dem gestrigen Montag beschließt der 57-Jährige seine politische Karriere in Stuttgart - und schreibt als erster grüner Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt Geschichte. 40 Jahre lang war der OB-Posten in Stuttgart eine CDU-Bastion.

Bereits Kuhns langjähriger Weggefährte Rezzo Schlauch wollte den Chefsessel 1996 erobern und lag damals knapp hinter seinem CDU-Konkurrenten Wolfgang Schuster. Kuhn und Schlauch galten damals als "Asterix" und "Obelix". Aus Kuhn wurde später "Fischers Fritz" - wegen seiner Nähe zum damaligen Außenminister Joschka Fischer.

Kuhn gilt als Vordenker des Realo-Flügels seiner Partei. Zahlreiche Strategiepapiere hat er für sie verfasst. Auf die Frage, ob ein Intellektueller zum Stuttgarter OB-Posten passe, antwortete Kuhn in einem Interview: "Wenn wir das Wort intellektuell einfach als Nachdenken verstehen, dann ist das eine urschwäbische Eigenschaft." Kuhn, der Philosophie und Germanistik in Tübingen und München studierte, gilt zwar als rhetorisch und intellektuell versiert, aber nicht unbedingt als volksnah. Er versteht sich als Wertkonservativer. Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden.

"Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben", stand auf einem seiner Wahlplakate. Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 will er ausgleichend wirken, das Projekt selbst aber kritisch begleiten.

I m Bundestag war es ruhig um den 1955 in Bad Mergentheim geborenen Grünen geworden. Den Posten als Vize-Fraktionschef legte er im Frühjahr 2012 nieder, um sich auf die OB-Kandidatur zu konzentrieren. Kuhn ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zu seinen Hobbys sagt er: "Ich treibe regelmäßig Sport (Laufen), lese gerne Romane und koche urschwäbisch und italienisch, am liebsten Kässpätzle und Risott o."