Beidseitig des Tibers war ein regelrechtes Tauziehen im Gang. Auf der einen Seite lotete Johannes Paul II. mit Außenminister Joschka Fischer die Möglichkeiten zum Erhalt des Friedens aus, auf der anderen Seite mobilisierte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die militärischen Kräfte.

Papst warnt vor Risiken
Unterschiedlicher hätten die Positionen, die dabei zum Ausdruck kamen, nicht sein können. Johannes Paul II. warnte gemeinsam mit Minister Fischer vor den unkalkulierbaren Risiken des Krieges. Diese seien „schwer abschätzbar“ , sagte Fischer im Anschluss an das Gespräch. Er hatte sich ungewöhnlich lange unter vier Augen mit dem Oberhirten ausgetauscht, bevor er mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und dem vatikanischen „Außenminister“ Jean Louis Tauran zusammentraf.
Er habe den Papst in „tiefer Sorge“ über den drohenden Konflikt angetroffen, erklärte der grüne Minister. Er wies dem Vatikan eine wichtige Rolle bei der Abwendung eines Krieges zu.
Papst Johannes Paul II. nutzt alle Möglichkeiten, um im Wettlauf mit der Zeit den Konflikt noch abzuwenden. In einer seit der Befreiung Polens vom Sowjetregime nie mehr gesehenen Kampagne setzt er die gesamte vatikanische Diplomatie in Bewegung.
Auch die von US-Außenminister Colin Powell vorgelegten Beweise konnten ihn nicht überzeugen. Mit seiner klaren Position ist Johannes Paul II. inzwischen zur Symbolfigur der kirchlichen und christlichen Kriegsgegner geworden. Ob in Deutschland oder der Schweiz, in England oder Italien - die Nein-Front wächst. Der Oberhirte will auch in letzter Minute noch die Kriegsmaschinerie stoppen. Am kommenden Freitag wird er Tarek Aziz empfangen. Der stellvertretende Ministerpräsident des Iraks ist Christ.

Rumsfeld mied Vatikan
US-Verteidigungsminister Rumsfeld will hingegen die Kriegsmaschinerie antreiben. Auf seinem Weg nach München legte er in Rom einen ersten Stopp ein. „Die diplomatischen Bemühungen sind gescheitert“ , erklärte er, bevor er mit seinem italienischen Amtskollegen Antonio Martino zur Nato-Basis Aviano (bei Venedig) aufbrach. Trotz der Nähe zum Vatikan vermied er in Rom die Fahrt über den Tiber. Er legte wohl keinen Wert auf ein Gespräch mit dem kriegskritischen Papst.