Nur weniger Kilometer vom Freizeitparadies Tropical Islands entfernt hat die Metall- und Anlagenbau GmbH (MAB) ihren Firmensitz - im Unterspreewalddorf Krausnick. Der mittelständische Betrieb, der sich seit 20 Jahren am Markt behauptet, ist in der Region wie auch im nahen Berlin unterwegs. Der Flughafen BER, Krankenhäuser in Cottbus, Lübben und Teupitz oder die Firma Siemens gehörten bereits zu den Auftraggebern. "Wenn die mich allerdings per Handy auf unserem Firmengelände erreichen wollten, hatten sie Pech", sagt Axel Markwitz, der die MAB mit seinem Geschäftspartner Martin Lehmann leitet. Die Metallbaufirma mit fast 30 Beschäftigten leidet wie andere Kleinbetriebe im Gebiet zwischen Freiwalde, Niewitz und Krausnick darunter, dass sie über T-Mobile nicht erreichbar sind.

Axel Markwitz schildert gegenüber der RUNDSCHAU, dass er oft erst auf dem Weg vom Firmensitz auf die Baustellen darauf aufmerksam wird, wer versucht hat, ihn zu erreichen. "Das sind manchmal bis zu zehn Anrufe. Dann fange ich an, hinterherzu- telefonieren. Das nervt natürlich." Aber eine kurzfristige Lösung für dieses Gebiet im Dahme-Spreewald-Kreis hat niemand parat.

Für Ralf Henkler vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist das "ein unhaltbarer Zustand". Es könne nicht sein, dass kleine und mittelständische Betriebe auf Dauer vom Mobilfunknetz abgekoppelt bleiben, erklärt der BVMW-Geschäftsführer für die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald Süd. "Erreichbarkeit ist für die Firmen überlebenswichtig."

Die im gut 20 Kilometer entfernten Lübbener Ortsteil Neuendorf ansässige Firma Feind, die viele Aufträge auch im Spreewald realisiert, kann ebenfalls ein Lied von den Kommunikationsdefiziten in der Region singen. "Wenn wir Baustellen nördlich der Kreisstadt Lübben haben, wissen wir schon, was passiert", erläutert Reinhardt Feind, der die Firma Gala-Bau führt.

"Da erreichen wir unsere Leute nicht, können keine Absprachen mit dem Vorarbeiter treffen. Die schwarzen Löcher sind ganz klar ein Wettbewerbsnachteil." Feind und Markwitz haben nicht zum ersten Mal auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Doch getan hat sich nichts.

Als sich BVMW-Geschäftsführer Henkler jüngst an den Netzbetreiber Telekom gewandt und auf eine Lösung gedrungen hatte, sei die Antwort ernüchternd gewesen. Kundenberater Michael Nattke verwies in einem Schreiben darauf, dass im Naturschutzgebiet Spreewald keine weiteren Masten gesetzt werden dürfen.

Das aber wäre notwendig, um ein flächendeckendes Netz zu knüpfen. In Aussicht gestellt werde vonseiten der Telekom, dass "irgendwann die neue LTE-Technik kommt". Sie wird über die bestehenden Masten installiert und ermöglicht schnelles Internet und Telefonieren. Für die Nutzung der teuren Technik wird es nach Telekom-Angaben allerdings eine Volumenbegrenzung geben. Wer also ein bestimmtes Budget überschreitet, surft und telefoniert mit geringerer Geschwindigkeit. "Das kann keine Lösung sein. Die Löcher müssen gestopft werden", fordert Henkler als Interessenvertreter der kleinen und mittelständischen Betriebe im Spreewald.

Metallbauer Markwitz erinnert deshalb an seinen Vorschlag, der Telekom einen stillgelegten Schornstein als "Mast" zur Verfügung zu stellen. Auf der 25 Meter hohen Esse könnte Technik installiert werden, die die Maschen des T-Mobile-Netzes im Unterspreewald enger knüpft. Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner versichert gegenüber der RUNDSCHAU, den Vorschlag von Experten prüfen zu lassen. Auch solle festgestellt werden, warum so nahe an der Autobahn 13 kein D-1-Netz verfügbar sei.

Während sich die Telekom um Antworten und mögliche Lösungen bemüht, will es der Spreewälder Landtagsabgeordnete Werner-Siegwart Schippel jetzt genau wissen. Er werde im Potsdamer Parlament eine Kleine Anfrage formulieren, um in Erfahrung zu bringen, wo es noch schwarze Löcher im Süden Brandenburgs gibt, und wer davon betroffen ist. Sollte sich herausstellen, dass dieses Problem über die genannten Gemeinden im Unterspreewald hinausgeht, könne sich der SPD-Politiker dieses Thema auch auf einer der nächsten Spreewald-Konferenzen vorstellen.

Bis dahin werden Axel Markwitz, Reinhardt Feind und andere Unternehmer in der Region weiter damit leben müssen, dass sie nicht überall im Spreewald erreichbar sind. Zufriedengeben werden sie sich aber nicht. "Dass unser Betrieb im Funk-Loch liegt, werden wir nicht hinnehmen", bleibt Markwitz kämpferisch.